Teil eines Werkes 
18. Bd. (1851)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

26

ſein Ohr ſchloß und nur der Rachſucht Gehör gab, über⸗. redete den Reichstag, daß dieſe Anerkennung etwas rein* Formelles ſei, daß die Monarchen ſich mit den Titeln be⸗ gnügen und ſich ſogar verpflichten würden, ſie nie geltend zu machen. Dieſe Erklärung wurde für genügend gehalten, und der Senat unterzeichnete die verhängnißvolle Aner⸗ kennung. Fünf Jahre ſpäter erhielt der Palatin die Genug⸗ thuung, daß der Sohn ſeiner Schweſter Konſtantia, Sta⸗ nislaus Poniatowski, als König von Polen gekrönt wurde. Als dieſer Fall eintrat, erklärte ich Czartoryski, daß die Höfe von Rußland und Preußen ihre vermeintlich illuſo⸗ riſchen Rechte, die ihnen auf eine ſo leichtſinnige Weiſe zu⸗ geſtanden worden waren, geltend machen würden und daß auf das dem Reichstage gegebene Verſprechen, ſie in Vergeſ⸗ ſenheit zu laſſen, nicht gerechnet werden dürfte; ich fügte ſogar hinzu, daß man nicht die Titel gefordert haben würde, wenn man nicht ſchon damals den Plan gehabt hätte, ſpäter Ge⸗ wicht auf ſie zu legen. Ich ſagte ihm lächelnd voraus* (denn ich konnte mit dem Fürſten von dieſen ernſten Sachen nur im Tone des Scherzes ſprechen), daß von dieſem Tage an Europa die Krone Polen als bloße Inhaberin von Weiß⸗, Roth⸗ und Schwarzrußland und des Königreichs Preußen betrachte, und daß die unmittelbaren Nachfolger— der damals anerkannten Fürſten nicht ermangeln würden, dem Königreiche Polen die Laſt dieſer Garantie abzunehmen. V Indeß muß ich ſagen, daß meine Hypotheſen ſich nicht ver⸗ wirklichten, da dieſe Fürſten ſich ſelbſt in Polen theilten, ohne ihrer Titel zu erwähnen. Dieſe Theilung führte zur gänzlichen Zerſtückelung des Reichs, die im vorigen Jahre (1793) ſtattgefunden hat.

Der polniſche Reichstag, deſſen Präſident und Seele Czartoryski war, beging einen unverzeihlichen Fehler; bei Gelegenheit des Schutzes vergaß er die Fabel vom Men⸗ ſchen und Pferde. Die abenteuerlichen Polen vergaßen auch die römiſche Geſchichte; ſie hätten wiſſen müſſen, daß die Römer nur deshalb Herren der Welt wurden, weil ſie mit dem Patronate anfingen und mit der Herrſchaft aufhörten. Jeder Monarch, deſſen Schutz ein Land, welches es auch ſei,

ͤ—.———,—