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Man weiß, daß Farinelli oder vielmehr Carlo Broſchi, denn dies iſt ſein wahrer Name, ein glänzendes Glück in Spanien gemacht hatte; eine Zeit lang war er mehr König als der König ſelbſt, aber die Königin, Philipps V. Frau, eine geborne Prinzeſſin von Parma ließ ihn, als der Mar⸗ quis von la Enſinada in Ungnade fiel, verbannen. Fari⸗ nelli war zu dieſer Zeit ein Graubart von etwa ſiebenzig Jahren; er erfreute ſich einer guten Geſundheit, aber in Folge des Müßiggangs langweilte er ſich und Andre. Als ich einſt mit ihm über Spanien ſprach, zerfloß er in Thrä⸗ nen; die ſchöne Stellung, welche er dort verloren, lag ihm noch am Herzen; der Ehrgeiz iſt eine ſtärkere Leidenſchaft als die Geldgier. Indeß hatte Farinellis Kummer noch eine andre Urſache, und dieſe verbarg er ſo ſorgfältig, daß er am Ende daran ſtarb. Er hatte ſeinen Neffen, den Erben ſeines ganzes Vermögens, an eine junge Perſon von vor⸗
nehmem Hauſe und großer Schönheit verheirathet. Wie
alt und gebrechlich er auch ſein mochte, verliebte ſich doch der arme Farinelli in die Frau ſeines Neffen und wurde, was noch ſchlimmer, eiferſuchtig auf ihn. Die hübſche Nichte nahm dieſe Leidenſchaft in weißen Haaren ſehr ſchlecht auf: wie konnte auch ein kraftloſes und runzliges Geſchöpf wie der Soprano mit einem jungen und kräftigen Gatten, der ſie auf jede Weiſe nach Wunſch bediente, einen Wett⸗ kampf eingehn, ohne ſich geradezu lächerlich zu machen!
mir los zu werden, welche meine Neffen durch ihre Kinder ver⸗
beſſern werden.“ Farinelli ließ fein Kabinet malen, um das Bild dem Fürſten von Kaunitz zu ſchenken. Er hatte mehrere Lieblingsinſtrumente und unterſchied ſie nach dem Namen der be⸗ rühmteſten Maler:„er ſpielte auf ſeinem Raphael eine Arie von Galuppi:— Sehr eigenthümlich war eine andre Mittheilung,
welche er Lamberg machte. Er galt an Mannheit für die Ein⸗
heit der Dreiheit des Landgrafen Philipp von Heſſen, und weil er einen Sohn in ſpaniſchen Dienſten in Indien hatte, ſagte er einſt in tiefſtem Vertrauen:„Ich bedaure nicht, daß ich alt gewor⸗ den; ich möchte nur das wieder haben, was ich in Italien verlo⸗ ren.“ Ein junges Frauenzimmer fragte ihn, was das ſei? Er er⸗ wiederte:„Eins meiner Augen.“
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