Gefängniſſe. Hätte er auf mich gehört, ſo würde er nie einen Fuß nach England geſetzt haben, ein abſcheuliches Land für Leute ſeiner Art. Medini, der eine gute Erziehung hatte, geiſtreich und unterrichtet war, hatte den doppelten Fehler, daß er ohne Vermögen geboren war und das Geldausge⸗ ben liebte. Er war einer von den Männern, welche im größten Ueberfluſſe Hungers ſterben. Wäre er meinem Rathe gefolgt, ſo würde er noch leben und glücklich ſein; was vermögen aber wohl Rathſchläge, wenn ſie im Wider⸗ ſpruche mit dem Charakter ſtehn? Ich habe einen gewiſſen Inſtinkt, der mir das Endgeſchick vieler Perſonen offenbart hat. Ich ſagte vor zwanzig Jahren zum berühmten Ca⸗ glioſtro, der ſich damals Graf Pellegrini nennen ließ: Ge⸗ hen Sie nicht nach Rom; Sie werden dort ein ſchlechtes Ende nehmen. In der That ſperrte man ihn ins St. An⸗ dreasfort, welches er nicht lebend verlaſſen hat.
Ein kleiner Abbé, den ich im Laden des Buchhänd⸗ lers Tarruchi kennen gelernt hatte, ſtellte mich der Familie Severini vor, und hier verlor ich den Geſchmack am Stu⸗ dium. Dieſer Severini hatte eine dreißigjährige Schweſter,
welche ſich für vierundzwanzig Jahre alt ausgab; ſie war
iemlich appetitlich, ohne eine Schönheit zu ſein und war Pehr lus auf ihre Jungfernſchaft, die ihr ſehr läſtig zu werden anfing. Da ich Gegenſtand ihrer Aufmerkſamkeit
war, ſo feſſelte ſie die meinige, und ich machte dieſe etwas reife Jungfrau mit Freuden bekannt, die ſie bisher nur ge⸗ träumt hatte; dadurch kam ich mit dieſer Familie in engere Verbindung und brachte meine Penaten zu ihr. Sie wohnte
im Hauſe der Witwe Carlani, der berühmten Tenoriſtin.
Die Penſion koſtete mich monatlich etwa zehn Zechinen und die Maitreſſe koſtete mich gar nichts. Severini, ein Wüſt⸗
ling von Gewerbe, führte mich zu allen ſingenden und tan⸗ zenden Nymphen der Stadt. Wir machten einige Parties fines, ohne Vorwiſſen ſeiner Schweſter, welche über alle Begriffe eiferſüchtig war, wie man es eben iſt, wenn man zum erſtenmale liebt.
Es war damals in Bologna viel von einem gewiſſen Albergati die Rede, einem reichen Privatmanne und großen
Theaterfreunde, der dem Publicum ſein Privattheater eröſſ⸗
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