38
Sagunt erhebt ſich auf einer Anhöhe. Ich werde die⸗ ſelbe beſteigen, ſagte ich zum Führer, der noch an dieſem Tage Valencia hatte erreichen wollen und deshalb einen ſchweren Seufzer ausſtieß. Im Intereſſe ſeiner Maulthiere würde der arme Teufel gegen alle Alterthümer der Welt Partei genommen haben. Ich hatte zum Reiſegefährten einen kleinen Abbé, welcher ſeine Beredtſamkeit dem Maul⸗ thiertreiber zur Verfügung ſtellen zu müſſen glaubte.
Sennor, ſagte er zu mir, indem er ſich bekreuzte, was wollen Sie dort oben? Sie finden dort nur einen Haufen Ruinen.
Das iſt richtig; aber dieſer Haufen von Ruinen ſagt mir mehr als die ſchönſten neuern Gebäude.
Der kleine Prieſter, deſſen Aeußeres auf große Armuth ſchließen ließ, machte große Augen und blickte mich an wie ein Bittſteller einen Miniſter anblickt. Der Maulthiertrei⸗ ber zuckte die Achſeln und wollte trotz der Gegenwart des Prieſters losfluchen, hielt aber plötzlich inne, als er
mich mit der Hand in die Taſche fahren ſah. Ich zog
einen Thaler hervor.
Theilen Sie ſich dieſen Thaler, ſagte ich.
Sie ſind ein hombre(Ehrenmann,, erwiederte er.
Es ſteht alſo nichts mehr entgegen, daß ich Sagunt beſehe; übrigens ſind wir ja auch nicht genöthigt, heute ſchon Valencia zu erreichen.
Ich fand die Umfaſſungsmauern dieſer Feſtung noch ſehr gut erhalten, und dennoch geht ihre Erbauung auf den zweiten puniſchen Krieg zurück. Ich fand eine große Menge von Inſchriften, die fuͤr mich wie für viele Andere leider nicht zu entziffern waren, die aber ein la Condamine oder Séguier hätte entziffern können. Die Rührung, welche beim
Anblicke dieſer glorreichen Trümmer in meinen Augen glänzte,
ſchien den Abbé in Verwunderung zu ſetzen. Kennen Sie nicht die großartige Aufopferung, welche dieſe Ruinen geheiligt hat? Durchaus nicht, Sennor. Sie haben alſo nie ein Buch in die Hand genommen? Ich leſe nur in meinem Gebetbuch.
—,—


