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liebt, obwohl ich nur einige Minuten lang mit ihr geſprochen und nur ihren Kopf geſehn.
Sie haben ſie gewiß im Bette geſehn?
So iſt es, und ich habe große Luſt, ſie außer demſel⸗ ben zu ſehn. Wollen Sie ſie in allen Ehren einen Augen⸗ blick heraufkommen laſſen?
Sehr gern.
Sie kam herauf, ſehr erfreut, daß ihr Vater ſie geru⸗ fen. Ich fand, daß ſie einen feinen und eleganten Wuchs, Karfunkel⸗Augen von der ſchönſten Wirkung, ſchöne Züge und einen anmuthigen Mund hatte; aber im Ganzen ver⸗ minderte ſich die Wirkung, welche ſte im Halbdunkel, wo der Zufall ſie zum erſtenmale meinen Augen gezeigt, her⸗ vorgebracht hatte. Dagegen warf mein Bruder die Augen auf ſie und wurde ihr Sklave. Er heirathete ſie im fol⸗ genden Jahre und führte ſie zwei Jahre darauf nach Dres⸗ den. Ich ſah ſie hier fünf Jahre ſpäter mit einem hübſchen Püppchen, aber nach einer zehnjährigen Ehe ſtarb ſie an der Schwindſucht. 9„
In der Villa Albani fand ich Mengs; er war in ſei⸗ ner Kunſt unermüdlich und ſehr originell in ſeiner Beſchäf⸗ tigung. Er empfing mich und ſagte, er freue ſich, mich in Rom einmiethen zu können, wohin er in einigen Tagen mit ſeiner ganzen Familie zurüͤckkehren werde. Die Villa Al⸗ bani ſetzte mich in Erſtaunen. Der Kardinal Alexander hatte dieſes Haus erbauen laſſen, und um ſeinen Geſchmack für Alterthümer zu befriedigen, hatte er nur antike Steine brauchen wollen; denn nicht nur die Statuen, ſondern auch die Piedeſtale, die Säulen, überhaupt Alles war griechiſch. Er ſelbſt war ein feiner Grieche und großer Kenner, ſo daß er dies Meiſterwerk mit vergleichsweiſe ſehr wenig Geld zu Stande gebracht. Er kaufte übrigens oft auf Kredit mir Damaſippus, ſo daß man nicht ſagen konnte, er richte ſich zu Grunde. Hätte ein Fürſt dieſe Villa bauen laſſen, ſo würde ſie ihm funfzig Millionen gekoſtet haben; aber der Kardinal kam billiger weg.
Da er ſich keine antiken Decken verſchaffen konnte, ſo mußte er ſie ſich wohl malen laſſen, und Mengs war un⸗


