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noch jetzt theuer ſein wurde. Wir verpflichteten uns, uns oft zu ſchreiben und umarmten uns auf eine Weiſe, die ih⸗ rem Manne Herzweh machen wußte. Ich reiſte am folgen⸗ den Tage ab und gelangte in ſechsunddreißig Stunden nach Rom.
Es war gerade Mitternacht, als ich durch das Thor del Popolo kam, denn in die ewige Stadt kann man zu je⸗ der Stunde hineinkommen. Man führte mich ſogleich auf das Zollamt, welches immer geöffnet iſt, und man durch⸗ ſuchte hier meinen Koffer. Man iſt nur ſtrenge gegen Bü⸗ cher, als ob man den Einfluß der Bildung fürchtete. Ich hatte einige dreißig Bände bei mir, welche mit der Religion und dem Papismus oder der von jenen geforderten Tugen⸗ den mehr oder weniger im Widerſpruche ſtanden. Ich wußte es und war ſchon entſchloſſen, ſie ohne Widerrede zu opfern, denn ich wollte zu Bett gehn, aber der durchſuchende Beamte ſagte ſehr höflich, ich ſolle ſie zählen und da laſſen, und er verrde ſie mir am Morgen nach dem Gaſthofe, wo ich ab⸗ ſteigen werde, bringen; ich that dies, und er hielt Wort. Er war ſehr zufrieden, als ich ihm zur Belohnung zwei
Zechinen gab. Ich ſtieg in der Stadt Paris am ſpaniſchen Platze ab; ddies war der beſte Gaſthof. Ich fand Alle ſchlafend; als man mir aber geöffnet hatte, bat man mich im Erdgeſchoß abzutreten, bis man in dem für mich beſtimmten Zimmer Feuer gemacht haben würde. Auf allen Stühlen lagen Klei⸗ der, Unterröcke, Hemden und ich höre eine weibliche Stimme ſagen, ich ſolle mich aufs Bett ſetzen. Ich trete näher und bemerke einen lachenden Mund und zwei ſchwarze Augen, welche wie Karfunkeln leuchteten. Welche ſchöne Augen! ſage ich, erlauben Sie, daß ich dieſelben küſſe. Statt aller Antwort verbirgt ſie ihren Kopf unter der Decke; alſobald
bis zum Mittelpunkt vor; da ich aber das Mädchen ganz
ſchl lüpft meine unbeſcheidene Hand unter die Decke und dringt
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