Teil eines Werkes 
11. Bd. (1850)
Entstehung
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15⁵

Verdammtes Abendeſſen! Welcher Tag! Geh, mein Freund, ich muß auftreten. Lebe wohl bis morgen um ſieben Uhr.

Sie hatte zuerſt um acht Uhr geſagt, aber eine Stunde früher ſchadete nichts. Ich gehe in's Parterre, und da fällt mir ein, daß ich mich weder nach ihrem Namen, noch nach ihrer Wohnung erkundigt; es war indeß leicht, dies zu erfahren. Sie ſpielte die Rolle der Mandane, und da ich ſie jetzt in weiterer Entfernung als von meiner Loge aus ſah, ſo entzückte ſie mich durch die Wahrheit ihres Spiels, ihren Anſtand und ihren reinen Geſang. Ein gut⸗ gekleideter junger Mann ſtand neben mir; ich fragte ihn nach dem Namen dieſer trefflichen Sängerin.

Sie ſind alſo erſt ſeit heute in Florenz?

Ich bin ſeit geſtern hier.

Das iſt zu entſchuldigen. Wohlan, mein Herr, ſie heißt, wie ich, denn ſie iſt meine Frau, und mein Name iſt Cirillo Paleſi, Ihnen aufzuwarten.

Ich machte ihm eine Verbeugung und blieb ſtumm vor Erſtaunen. Ich wagte ihn nicht nach ſeiner Wohnung zu fragen, denn er hätte meine Neugierde unverſchämt fin⸗ den können. Thereſe mit dieſem jungen Manne verheirathet! Und gerade auf ihren Mann gerathe ich, um mich nach ihr zu erkundigen! Das war eine Verwicklung des Zufalls, welche den Stoff zu einer guten Komödienſcene geben konnte.

Ich wußte nicht mehr, was ich anfangen ſollte; ich ſehnte mich allein zu ſein, um behaglich über dies ſeltſame Abenteuer und über den Beſuch nachzudenken, welchen ich der verheiratheten Thereſe um ſieben und nicht um acht Uhr machen ſollte, denn ich mußte mich an ihr letztes Wort halten. Ich empfand die lebhafteſte Neugierde, zu ſehen, welche Figur der junge Mann ſpielen würde, falls er mich wiederkennen würde, und es war nicht anders möglich, als daß er mich wiedererkannte, denn während er mir mittheilte, daß er der Mann Thereſens ſei, hatte er mich mit ziemlicher Aufmerkſamkeit betrachtet. Ich fühlte auch, daß meine erſte Flamme für dieſe theure Perſon wiedererwacht ſei, und ich