Teil eines Werkes 
11. Bd. (1850)
Entstehung
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der mich auf eine ſo geſchickte Weiſe betrogen. So wird

man klug. Man macht immer neue Erfahrungen und macht deren nie genug. Seitdem habe ich das Poſtgeld immer

nur an die richtige Firma bezahlt.

Es giebt kein Land, wo die Gauner ſchlauer als in Italien ſind, nur Griechenland, ſowohl das alte wie das neue, ausgenommen.

In Livorno ſtieg ich im beſten Gaſthofe ab, wo mir

geſagt wurde, daß Theater ſei, und unglücklicher Weiſe be⸗ kam ich Luſt hineinzugehn. Ich wurde von einem Schau⸗ ſpieler erkannt, der mich anredete, ſeine Freude, mich zu ſehn äußerte und mich einem ſeiner Kollegen, angeblich einem guten Dichter und großen Feinde des Abbé Chiari, vor⸗ ſtellte, welchen letztern ich nicht liebte, weil er gegen mich eine beißende Satyre gemacht, wegen deren ich noch nicht hatte Rache nehmen können. Ich lud ſie zum Abendeſſen bei mir ein, und Leute dieſer Art ſchlagen ſo etwas nicht aus. Der angebliche gute Dichter war ein Genueſe und

8 hieß Giacomo Paſſano. Er ſagte, er habe gegen Chiari dreihundert Sonnette gemacht, und wenn er ſie drucken laſſen

könnte, würde der Abbé vor Wuth berſten. Da der Mann ſah, daß ich zu der guten Meinung, welche er von ſich hatte,

lächelte, ſo erbot er ſich mir einige vorzuleſen. Er hatte

das Manuſcript bei ſich, und ich mußte mir dieſe Marter gefallen laſſen. Er las mir etwa ein Dutzend vor, welche ich ohne Ausnahme mittelmäßig fand, und ein mittelmäßi⸗ ges Sonnet iſt nothwendiger Weiſe ſchlecht, denn dieſe Art Poeſte verträgt nur das Ausgezeichnete; deshalb giebt es auch unter den Tauſend von Sonnetten, die in Italien üp⸗ pig aufſchießen, vielleicht auch nur einige gute.

Hätte ich mir Zeit gelaſſen, die Phyſiognomie dieſes Mannes zu prüfen, der in den Fünfzigern ſein mochte, ſo würde ich ihn ohne Zweifel als einen Schurken betrachtet haben; aber die Leidenſchaft und ſeine Sonnette gegen Chiari hatten meinen klaren Blick getrübt.

Als ich die Augen auf den Titel ſeines Manuſcripts warf, las ich: La Chiareide di Ascanio Pagomas. Dies ſagte er, iſt das Anagramm meines Tauf⸗ und Familien⸗

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