Teil eines Werkes 
11. Bd. (1850)
Entstehung
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ob die Frauen von ganz Europa nur ein einziges für mein Vergnügen beſtimmtes Serail gebildet hätten. Ich ſagte

zum Barone, ich wünſche ihre Bekanntſchaft. Sie iſt tugendhaft, ſagte er, ſie empfängt Niemand und dennoch iſt ſie arm.

Das ſind drei Gründe, welche meine Luſt noch ſteigern.

Dennoch iſt durchaus nichts zu machen.

Das gerade iſt mir lieb.

Dort iſt ihre Tante; wenn das Concert zu Ende iſt, werde ich Sie vorſtellen.

Nachdem er mir dieſe Ehre erzeigt, ging er mit mir zum Abendeſſen. Der Hauswart und Koch erſchien mir wie ein Seitenſtück von Lebel. Er ließ mich bei Tiſche durch ſeine beiden ganz allerliebſten Töchter bedienen, und ich ſah Valenglards Freude, daß er mich ſo nach Wunſch

untergebracht; aber er wurde böſe, als er funfzehn Schüſ⸗

ſeln in fünf Gängen auftragen ſah. Dieſer Mann, ſagte er, hat Sie und mich zum Beſten.

Im Gegentheile hat er meinen Geſchmack errathen. Haben Sie nicht alle Gerichte ganz ausgezeichnet gefunden?

Ich kann es nicht läugnen, aber

Fürchten Sie nichts, ich gebe gern Geld aus.

Dann entſchuldigen Sie. Ich wünſche nur, Sie zu⸗ frieden zu ſehn.

Wir hatten ausgezeichnete Weine und den beſten tür⸗ kiſchen Ratafia, wie ich ihn vor ſiebzehn Jahren bei Juſſuf Ali getrunken. Als mein Wirth gegen Ende des Mahles erſchien, ſagte ich ihm in Gegenwart ſeiner Töchter, er ver⸗ diene Leibkoch Ludwigs XV. zu werden. Fahren Sie fort, wie Sie angefangen, oder machen Sie es vielmehr noch beſſer, wenn Sie können, aber ſchicken Sie mir jeden Mor⸗ gen meine Karte.

9 Das iſt richtig, denn dann weiß Jeder, wie die Sachen ſtehen.

Auch wünſchte ich wohl, daß Sie immer Eis gäben und daß Sie auf meinen Tiſch noch zwei Lichte ſetzen ließ. Aber wenn ich nicht irre, ſehe ich dort Talglichte. Ich bin Venetianer, mein Herr, und an Wachskerzen gewöhnt.

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