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immer darauf rechnen geliebt zu werden. Bedenken Sie nur die ſonderbare Anlage der neapolitaniſchen Mundart, wir haben eine Ueberſetzung der Bibel und eine der Iliade, und beide erregen Lachen. Daß es ſich mit der Bibel ſo verhält, will ich wohl ben, aber von der Iliade nimmt es mich Wunder. Dennoch iſt es ſo. Ich kehrte erſt den Tag vor der Abreiſe Fräulein von la Meure's, welche Madame P. geworden war, nach Paris zurück. Ich glaubte zu Madame** gehen zu müſſen, um jener zu gratuliren und ihr eine glückliche Reiſe zu wün⸗ ſchen. Ich fand ſie heiter und guten Muths; weit entfernt, mich dadurch reizen zu laſſen, freute ich mich vielmehr darüber, das ſicherſte Zeichen meiner völligen Heilung. Wir ſprachen auf die ungezwungenſte Weiſe mit einander, und ihr Gemahl ſchien mir ein ſehr anſtändiger Mann. Ihrer zuvorkommenden Bitte entſprechend, verſprach ich, ſie in Dünkirchen zu beſuchen, obwohl ich nicht die geringſte Luſt fühlte, Wort zu halten; aber die Umſtände fügten es anders.
Tiretta blieb alſo nun allein mit ſeinem Püppchen, welches täglich verliebter und vernarrter in ſeinen Lindor wurde, der ihr fortwährend neue Beweiſe ſeiner Liebe und Treue gab.
Als ich nun ruhig geworden war, fing ich an Marie⸗ chen Baletti nach allen Regeln den Hof zu machen und
glau
dieſe gab mir täglich neue Beweiſe der Fortſchritte, welche
ich in ihrem Herzen machte.
Die Freundſchaft und Achtung gegen ihre Familie hielten jeden Gedanken an Verführung fern von mir, da ich aber immer verliebter wurde und nicht beabſichtigte, ſie zu heirathen, ſo wurde es mir ſchwer, mir von dem Zwecke, welchen ich verfolgte, Rechenſchaft zu geben, und ich ließ mich maſchinenartig gehen, wie ein unbelebter Körper, den die Strömung forttreibt. 1
Im Anfange des Mai ſchrieb mir der Abbé Bernis, ich möchte nach Verſailles kommen und mich zunächſt dem Abbé von la Ville vorſtellen. Dieſer Abbé nahm mich


