in Gegenwart der Häſcher mit donnernder Stimme und
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höre; aber ein mit einer Eiſenſtange verſehener Haͤſcher klopfte überall an, an die Wände, an den Fußboden, an mein Bett. Ich ſah dem mit gleichgültiger Miene zu, aber ich bemerkte, daß der Häſcher nicht an die Decke klopfte. Dort hinaus, ſagte ich zu mir, werde ich dieſer Hölle ent⸗ weichen. Wenn indeß dieſer Plan gelingen ſollte, ſo gehör⸗ ten dazu Kombinationen, welche nicht von mir abhingen; denn ich konnte nichts machen, was nicht geſehen werden konnte. Das Gefängniß war ganz neu; die kleinſte Ritze würde von den Wärtern bemerkt worden ſein.
Ich verlebte einen grauſamen Tag, denn die Hitze war erſtickend, wie in einem Backofen, und es war mir auch unmög⸗ lich, von den mir gebrachten Nahrungsmitteln etwas zu mir zu nehmen. Der Schweiß und der Mangel an Nahrung ſchwächten mich ſo ſehr, daß ich weder leſen noch auf⸗ und abgehn konnte. Am andern Tage bekam ich daſſelbe Mit⸗ tagseſſen, und vor dem faulen Geruche des Waſſers mußte ich ſogleich zurückweichen. Haſt Du, ſagte ich, den Befehl bekommen, mich durch Hunger und Hitze zu tödten. Er ſchloß mein Gefängniß, ohne zu antworten. Am dritten Tage wurde ich eben ſo behandelt. Ich forderte Papier und Blei, erhielt aber keine Antwort.
In Verzweiflung eſſe ich meine Suppe, ſodann et⸗ was in Cyperwein getauchtes Brod, um mich zu kräfti⸗ gen und am nächſten Tage Lorenz mein Sponton in den Leib ſtoßen zu können. Da die Wuth mein Rathgeber war, ſo glaubte ich nicht anders handeln zu können. Die Nacht beruhigte mich, und als am folgenden Tage der Henkers⸗ knecht erſchien, begnügte ich mich, zu ihm zu ſagen, ich würde ihn tödten, ſobald ich die Freiheit erlangt hätte. Er lachte nur zu meiner Drohung und entfernte ſich wiederum, ohne auch nur den Mund aufzumachen.
Ich fing an zu glauben, daß er ſo auf Befehl des Secretairs handle, welchem er Alles erklärt habe. Ich wußte nicht, was ich machen ſollte; ich ſchwankte zwiſchen Geduld und Verzweiflung: meine Lage war ſchrecklich; ich verging vor Entkräftung. Endlich am achten Tage befahl ich ihm


