Teil eines Werkes 
5. Bd. (1850)
Entstehung
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gehabt hatte, und ihre zärtlichen und mit einem gewiſſen

Gehenlaſſen verbundenen Geſpräche, enthielten nie den Schat⸗

ten eines Vorwurfs, welchen ich durch meine Kälte wohl verdient hatte.

Gegen das Ende unſerer langen Unterhaltung fragte ſie mich, was ſie bei ihrer Rückkehr ins Kloſter ihrer Freundin ſagen ſolle. Meine theure M. M. erwartet, mich fröhlich und dankbar für das großmüthige Geſchenk, welches ſie mir dieſe Nacht zu machen glaubte, wieder zu ſehen; was ſoll ich ihr alſo ſagen?

Die ganze Wahrheit. Verheimliche ihr namentlich kein einziges Wort unſerer Unterhaltung, ſo weit Dein Gedächt⸗ niß Dir treu bleibt, und ſage ihr beſonders, daß ſie mich auf lange Zeit unglücklich gemacht hat.

Nein, ich wuͤrde ſie zu ſehr betruben, denn ſie liebt Dich zärtlich, und das Medaillon, welches Dein Portrait enthält, iſt ihr üͤber Alles theuer. Ich werde im Gegen⸗ theil mein Möglichſtes thun, um dieſen Streit auszugleichen; und das wird mir nicht ſchwer werden, denn meine Freun⸗ din trifft kein Vorwurf, und Du biſt nur gereizt, obwohl mit Unrecht. Ich werde Dir meinen Brief durch Laura ſchicken, wenn Du mir nicht anders verſprichſt, ihn ſelbſt von ihr abzuholen.

Deine Briefe werden mir immer theuer ſein; aber Du wirſt ſehen, daß M. M. keine Erklärung wünſcht. Sie wird Dir in Allem glauben, außer in einem Punkte.

Ich kann ihn mir wohl denken; es iſt unſere Aus⸗ dauer, eine Nacht ſo unſchuldig wie Bruder und Schweſter mit einander zuzubringen. Wenn ſie Dich ſo gut wie ich kennt, wird ſie das für unmöglich halten.

In dieſem Falle ſage ihr, wenn Du willſt, das Ge⸗ gentheil.

Rechne nicht darauf. Ich lüge nicht gern, und werde es in dieſem Falle gewiß nicht thun; das wäre zu unpaſſend. Ich liebe Dich darum nicht weniger, mein Freund, obwohl

Du in dieſer Nacht nicht die Gewogenheit gehabt haſt, mir

eine einzige Probe Deiner Liebe zu geben. Glaube, ſüße Freundin, daß ich krank vor Traurigkeit