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weit es von ihm abhängt, nichts thun ſoll, ohne ſie zur Richtſchnur zu nehmen, ſo iſt es mir unbegreiflich, wie ein Menſch ſich ſchämen kann, ſich in einem Augenblicke, wo die Natur und die Liebe ihm gleich günſtig ſind, ſich einem Freunde zu zeigen.“
„Ich will Dir indeß geſtehen, daß Du nicht gut ge⸗ than haben würdeſt, mir das Geheimniß das erſtemal mit⸗ zutheilen, und daß ich Dir wahrſcheinlich dieſen Beweis von Gefälligkeit verweigert haben würde; nicht etwa, als ob ich Dich damals weniger als jetzt geliebt hätte; aber es giebt ſo ſeltſame Neigungen in der Natur, daß ich hätte glauben können, die vorherrſchende Neigung Deines Liebhabers be⸗ ſtände darin, ſich am Anblicke des Genuſſes eines feurigen und ausgelaſſenen Paares in der ſüßeſten Vereinigung zu weiden, und da ich dann eine unvortheilhafte Idee von Dir hätte faſſen müſſen, ſo hätte der Aerger die Liebe, welche Du mir eingeflößt hatteſt, und welche erſt im Entſtehen be⸗ griffen war, abkuͤhlen können. Jetzt, theure Freundin, ſteht die Sache ganz anders; denn ich weiß, was ich beſitze und da ich durch das, was Du mir von Deinem Freunde er⸗ zählt haſt, ſeinen Charakter kennen gelernt habe, ſo liebe ich ihn und halte ihn für meinen Freund. Wenn Dich das Schamgefühl nicht abhält, Dich ihm zärtlich, verliebt und feurig zu zeigen, wie ſollte ich mich ſchämen, da ich vielmehr ſtolz ſein darf? Ich kann, meine Göttin, weder erröthen, daß ich Dich erobert, noch mich ſchaͤmen, mich in denjenigen Augenblicken zu zeigen, wo ich den Beweis der Freigebig⸗ keit liefere, mit welcher die Natur mir Formen und Kräfte geſchenkt hat, die mir ſo große Genüſſe und die Gewißheit, ſie die Frau, welche ich liebe, theilen zu laſſen, ſichern. Ich weiß, daß die meiſten Männer aus einem Gefühl, welches man natürlich nennt, und welches vielleicht nur ein Pro⸗ dukt der Civiliſation und die Wirkung von Jugendvorur⸗ theilen iſt, ſich in ſolchen Augenblicken nicht gern ſehen laſ⸗ ſen; aber diejenigen, welche nicht gute Gründe für dieſe Ab⸗ neigung haben, müſſen etwas von der Natur der Katze haben: uͤbrigens können ſie gute Gründe haben, ohne ſich deshalb für verpflichtet zu halten ſie Jemand anders als der


