Teil eines Werkes 
5. Bd. (1850)
Entstehung
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dem Informator mehr Ehre machte als dem Künſtler; aber es war auch eine Folge dieſer Anordnung. daß der Infor⸗ mator das Portrait für ähnlich ausgeben mußte, denn im entgegengeſetzten Falle führte der Maler die begründetſte Ent⸗ ſchuldigung für ſich an: er ſagte, wenn das Portrait nicht ähnlich wäre, ſo läge die Schuld an dem, der ihm die Per⸗ ſon beſchrieben, denn derſelbe habe es nicht verſtanden, ihm die feinen Nuancen der Züge der Perſon, welche er habe malen müſſen, vorzuführen.

Ich ſpeiſte eines Abends bei Sylvia, als dieſe merk⸗ würdige Geſchichte, und zwar mit dem Tone des unbeding⸗ teſten Glaubens und ohne den leiſeſten Verſuch ſie lächerlich zu machen, erzählt wurde. Dieſer Maler, wurde geſagt, habe ſchon mehr als hundert ſehr ähnliche Portraits gemacht Alle finden dies ſehr ſchön; ich war der Einzige, welcher beinahe vor Lachen platzte und welcher ſich zu ſagen er⸗ laubte, daß dies lächerlich und unmöglich wäre. Der Er⸗ zähler, welcher ſich ärgerte, bot mir eine Wette von hun⸗ dert Louisd'ors an. Ich lachte noch lauter, weil der Vor⸗ ſchlag nicht annehmbar war, wenn man ſich nicht der Ge⸗ fahr geprellt zu werden, ausſetzen wollte.

Aber die Portraits ſind ſehr ähnlich.

Ich glaube es nicht, und wenn ſie ähnlich ſind, ſo iſt Betrug im Spiele.

Um Syloia und mich, denn ſie war die Einzige, welche meine Anſicht theilte, mit aller Gewalt zu überführen, ver⸗ ſprach uns der Erzähler, uns zum Maler zum Mittagseſſen zu führen, und wir gingen darauf ein.

Als wir am folgenden Tage zum Künſtler kamen, ſa⸗ hen wir eine Menge Portraits, welche angeblich alle ſehr ähnlich waren; da wir indeß die Originale nicht kannten, ſo konnten wir nichts dagegen einwenden.

Mein Herr, ſagte Sylvia, würden ſie wohl das Por⸗ trait meiner Tochter machen können, ohne ſie geſehen zu haben?

Ja, Madame, wenn Sie mir eine genaue Beſchreibung geben wollen..