Teil eines Werkes 
4. Bd. (1850)
Entstehung
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aber fortführe, meine Theure, ſo könnte ich Ihnen dunkel erſcheinen. Wir wollen nur langſam vorwärts gehen. Den⸗ ken Sie, haben Sie Grundſätze, welche vor einem richtigen Denken die Probe beſtehen und haben Sie immer ihr Glück vor Augen, und Sie werden endlich glücklich werden.

Ich ziehe die Lektion, welche Sie mir heute geben, der, welche Herr Baletti mir morgen geben wird, bei Weitem vor; denn ich ſehe voraus, daß ich mich in dieſer langwei⸗ len werde, und ich langweile mich nicht bei Ihnen.

Woran bemerken Sie, daß Sie ſich nicht langweilen?

Daran, daß ich wünſche, daß Sie mich nicht verlaſſen mögen.

In Wahrheit, theure Veſian, nie hat ein Philoſoph beſſer, als Sie die Langeweile erklärt. Welches Vergnü⸗ gen! woher kömmt es, daß ich Luſt habe, Ihnen daſſelbe durch eine Umarmung zu erkennen zu geben?

Ohne Zweifel, weil unſere Seele nur inſoweit glücklich

ſeein kann, als ſie mit unſern Sinnen in Uebereinſtimmung

bleibt. Wie, göttliche Veſian? Ihr Geiſt bezaubert mich.

Sie ſind es, theurer Freund, der ihn zur Blüthe ge⸗

bracht hat, und ich bin Ihnen ſo dankbar dafür, daß ich Ihren Wunſch theile.

Wer hindert uns, einen ſo natürlichen Wunſch zu be⸗ friedigen? Umarmen wir uns alſo.

Welche philoſophiſche Lektion! wir fanden ſie ſo ange⸗ nehm, unſer Glück war ſo vollkommen, daß wir uns noch bei Tägesanbruch umarmten, und erſt als wir uns trenn⸗ ten, bemerkten wir, daß die Thür die ganze Nacht offen ge⸗ ſtanden hatte.

Baletti gab ihr einige Lektionen, und ſie wurde bei der Oper angenommen; aber ſie figurirte hier nur zwei oder drei Monate und richtete ſich ſorgfältig nach den Vorſchrif⸗ ten, die ich ihr beigebracht, und die ihr überlegener Geiſt

als die einzig guten grkannt hatte. Sie nahm keinen Nar⸗h bonne mehr an; und bekam endlich einen von allen andern

ſehr verſchiedenen vornehmen Herrn, da derſelbe ſie ſogleich vom Theater Pegnahm, was kein anderer gethan haben