anrechnen zu laſſen und das reizende Weſen, welches ich an⸗ betete, immer vor meinen Augen zu haben.
Mein Glück würde zu groß geweſen ſein, wenn ich keine Unannehmlichkeit zu dulden gehabt hätte. Wo ſind wohl Roſen ohne Dornen zu finden? Wenn die reizende Franzöſin eine von jenen pikanten Aeußerungen that, welche im Munde ger Einfall mich zum Lachen reizte, ſo jammerte mich die traurige Geſtalt des Ungarn, und da ich wünſchte, daß er mein Vergnügen theile, ſo überſetzte ich ihm die ſchönen Aeußerungen der geiſtreichen Henriette ins Italiäniſche; aber ich hatte kein Glück damit, denn ſein Geſicht wurde länger, als ob ihm das, was ich ihm ſagte, abgeſchmackt erſcheine. Dadurch wurde ich genöthigt, mir ſelbſt zu geſtehen, daß ich nicht ſo gut lateiniſch wie franzöſiſch ſpräche, und das war wahr. In allen Sprachen iſt das, was man am letzten lernt, der Geiſt; dieſer Geiſt tritt aber nirgends ſo ſehr hervor, wie im Scherze. Erſt als ich dreißig Jahr alt war, konnte ich lachen, wenn ich Terenz, Plautus und Mar⸗ tial las.
Da an meinem Wagen etwas entzwei gegangen war, ſo hielten wir in Forli an, um es ausbeſſern zu laſſen. Nach⸗ dem wir ſehr heiter zu Abend geſpeiſt, ging ich in mein Zimmer, um mich zu Bette zu legen, erfüllt von dem Bilde des reizenden Weibes, welches mich immer mehr feſſelte. Henriette war mir auf der ganzen Reiſe ſo ſeltſam vorge⸗ kommen, daß ich nicht in einem zweiten Bette, welches in demſelben Zimmer ſtand, ſchlafen wollte. Ich fürchtete, daß das Mädchen auf den Gedanken kommen könnte, ſeinen al⸗ ten Kamaraden zu verlaſſen und ſich zu mir zu legen, und ich wußte nicht, wie der brave Capitain den Spaß aufneh⸗ men würde. Ich wollte allerdings zum Beſitze des reizen⸗ den Weſens gelangen, aber ich wollte, daß dies auf eine
freundſchaftliche Weiſe geſchähe, denn ich hatte eine gewiſſe Achtung vor dem braven Militair.
Ddies junge Mädchen hatte nichts als die Männerklei⸗ dung, welche ſie trug, kein einziges weibliches Kleidungs⸗ ſtüͤc ‚nicht einmal ein Hemde. Sie trug die des Capitains.
der Frauen ihrer Heimath ſo gewöhnlich ſind, und ein witzi⸗
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