Teil eines Werkes 
3. Bd. (1850)
Entstehung
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würdigkeit begangen hatte die Thür zu öffnen, eine Rede in lateiniſcher Sprache losläßt.

Ich frage den Wirth, worum es ſich handle. Dieſer Herr, antwortet der Wicht, welcher vorausſichtlich nur la⸗ teiniſch ſpricht, ſchläft mit einem Mädchen zuſammen, und die Schergen des Biſchofs ſind gekommen, um ſich zu er⸗ kundigen, ob es ſeine Frau iſt; das iſt ganz einfach. Iſt es ſeine Frau, ſo braucht er nur durch irgend einen Schein den Beweis zu führen, und Alles iſt abgemacht; iſt ſie es aber nicht, ſo wird er wohl mit dem Mädchen ins Gefäng⸗ niß wandern müſſen. So ſchlimm ſoll es indeß nicht wer⸗ den, denn mit zwei oder drei Zechinen verpflichte ich mich die Sache freundſchaftlich zu ſchlichten. Ich werde mit ih⸗ rem Anführer ſprechen, und die Leute ſollen ſämmtlich ab⸗ ggehen. Wenn Sie lateiniſch ſprechen, ſo gehen Sie hinein

und bringen ihn zur Vernunft.

Wer hat die Thüre des Zimmers aufgebrochen?

Man hat ſie nicht aufgebrochen, ſondern ich habe ſie geöffnet: das iſt meine Schuldigkeit.

Das iſt die Schuldigkeit eines Straßenräubers, aber nicht die eines ehrlichen Wirthes.

Erbittert über eine ſolche Schändlichkeit, glaubte ich mich in die Sache miſchen zu müſſen. Ich trete mit der Nachtmütze auf dem Kopfe ins Zimmer und erzähle dem Manne alle Umſtände dieſer Plackerei. Er antwortet la⸗ chend, daß man erſtlich nicht wiſſen könne, ob die Perſon, die neben ihm ſchlafe, eine Frau wäre, denn man habe ſie nur in einem Offizieranzuge geſehn, daß er zweitens Nie⸗ mand für berechtigt halte, von ihm Rechenſchaft zu fordern, ob, vorausgeſetzt, daß das Weſen, welches bei ihm ſchliefe, wirklich eine Frau wäre, daſſelbe ſeine Frau oder ſeine Ge⸗ liebte wäre. Uebrigens, fügte er hinzu, bin ich entſchloſſen, nicht einen Thaler auszugeben, um dieſe Sache zu beendi⸗ gen, und nicht eher aus dem Bette aufzuſtehen, als bis man meine Thür geſchloſſen haben wird. Sobald ich an⸗ gekleidet ſein werde, ſollen Sie eine hübſche Entwickelung dieſer Komödie ſehen. Ich werde alle dieſe Schurken mit Säbelhieben hinausjagen.