— ᷣ N N
8——
8’—8=.
159
mit mir nach Hauſe. Marina, welche ſich zu ihrer Rückkehr
beeilt hatte, kam auf mein Zimmer ſobald ſie mich ſprechen hörte, und ich erfreute mich an dem Erſtaunen meines lie⸗ benswürdigen Franzoſen, als er die Kollegin ſah, wegen
deren er ſich entſchließen ſollte, im Halbcharaktertanze auf⸗
zutreten; denn Marina, obwohl eine ausgezeichnete Tänze⸗ rin, war für ernſte Rollen nicht geeignet. Dieſe beiden lie⸗ benswürdigen Zöglinge Terpſichores, welche nie zuſammen geweſen waren, erklärten ſich bei Tiſche einen verliebten Krieg, der mir das Abendeſſen ſehr angenehm machte; denn da es ſich um einen Kollegen handelte, ſo nahm Marina einen, den Umſtänden angemeſſenen, und von dem, welchen ſie ſonſt gegen die Männer gebrauchte, ganz verſchiedenen Ton an. Uebrigens übertraf ſich Marina ſelbſt dieſen Abend an liebenswürdigem Benehmen und guter Laune; denn als man die Geſchichte des angeblichen Grafen Celi erfahren, war ſie ſehr applaudirt worden.
Es waren nur noch zehn Vorſtellungen übrig, und da Marina am Tage nach der letzten abreiſen wollte, ſo ſetz⸗ ten wir feſt, daß wir zuſammen abreiſen wollten. Bis da⸗ hin bat ich Balletti(dies war der italiäniſche Name, wel⸗ chen er angenommen), für dieſe ganze Zeit unſer Tiſchgenoſſe zu ſſein. Ich gewann für dieſen jungen Menſchen eine Freundſchaft, welche auf den weitern Gang meines Lebens großen Einfluß gehabt hat. Er hatte großes Talent als Tänzer; aber dies war ſein geringſtes Verdienſt. Er war tu⸗ gendhaft, hatte ein große und edle Seele, hatte Studien gemacht und die beſte Erziehung genoſſen, welche ein Mann von Stande zu jener Zeit in Frankreich erhalten konnte.
Schon am dritten Tage wurde ich gewahr, daß Ma⸗ rina ihren Kollegen zu feſſeln fuchte, und da ich einſah, wie
vortheilhaft dies für das junge Mädchen ſei, ſo war ich ihr dabei behülflich. Sie hatte eine zweiſitzige Poſtſchaiſe und ich überredete ſie leicht, Baletti mitzunehmen, indem ich Gründe
vorgab, welche ich ihr nicht mittheilen könnte, und welche mich nöthigten, allein nach Mantua zu reiſen. In der That
würde man, wenn ich mit ihr gereiſt wäre, geſagt haben,
daß ich in ſie verliebt wäre, und das wollte ich nicht.


