Teil eines Werkes 
3. Bd. (1850)
Entstehung
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Ra Au vo N

wie ſich leicht denken läßt, in Erſtaunen und beide blickten ſich verwundert an.

Wir ſpeiſten zu Abend, und aus unſerer ſparſamen

Unterhaltung während des Eſſens erfuhr ich von den bei⸗

den Herren, ohne daß ich ſie danach fragte, daß der Senator

ihr Freund, Herr von Bragadino, einziger Bruder des Pro⸗ curators dieſes Namens wäre. Dieſer Herr von Bragadino war in Venedig berühmt, ſowohl wegen ſeiner Beredtſam⸗ keit und ſeines großen Talents als Staatsmann, wie durch die galanten Abenteuer ſeiner unruhigen Jugend. Er hatte Thorheiten für die Frauen und mehr als eine Schönheit Thorheiten für ihn begangen. Er hatte viel geſpielt und

viel verloren, und ſein Bruder war ſein grauſamſter Feind,

weil er ſich die Idee in den Kopf geſetzt, daß derſelbe ihn habe vergiften wollen. Er hatte denſelben dieſes Verbre⸗ chens beim Rathe der Zehn angeklagt, welcher denſelben acht Monate ſpäter und nach einer gründlichen Unterſuchung für unſchuldig erklärte; aber dieſe glänzende Genugthuung konnte den Bruder nicht von ſeinem Vorurtheile heilen. Dieſer unſchuldige Magn, welcher von einem ungerech⸗ ten Bruder, der ihn der Bufte ſeiner Einkünfte beraubte, unterdrückt wurde, lebte als iebenswürdiger Philoſoph im Schooße der Freundſchaft. Er hatte zwei innige Freunde, welche jetzt bei ihm waren; der eine war aus der Fa⸗ milie Dandolo, der andere aus der Familie Barbaro, und beide waren redlich 1 liebenswürdig. Herr von Braga⸗

dino war ſchön, gelehrt, ſpaßhaft, und vom ſanfteſten Cha⸗ rakter; er war damals erſt funfzig Jahre alt.

Der Arzt, welcher ſeine Heilung uͤbernommen hatte, hieß Terro; durch einen ganz eigenthümlichen Schluß war er auf die Idee gekommen, daß er denſelben durch Einrei⸗ bung mit Mercur auf die Bruſt retten könne, und man ließ ihn machen. Die ſchnelle Wirkung dieſes Mittels, welche die beiden Freunde entzückte, erſchreckte mich, denn in weni⸗ ger als vierundzwanzig Stunden wurde der Kranke durch ſtarke Wallungen im Kopfe gequält. Der Arzt ſagte, er wiſſe, daß die Einreibungen dieſe Wirkungen hervorbrächten,

III. 5

leben bleiben wird. Dieſe ſentenzenartige Antwort ſetzte ſie,