⁸½
47
Am dritten Tage. als ich aufſtand, verkuͤndete mir ein
1 gelches Unglück ich hatte ar Licdten ee eßzten Tagen eine Gunſtbezeugung verörligk hätke, ſo War ich nahe daran, deñ Verſtand zu Frrleren. Werdes mar⸗ meine Lage geweſen, wenn ich ſie für ihr ganzes Leben unglücklich gemacht? Wer in dieſem Falle meine Geſchichte erfahren hätte, würde der mich wohl haben verdammen können, wenn ich mich des Lebens entledigt hätte, um mich von meinen Ge⸗ wiſſensbiſſen zu befreien? Nein; denn wer ſich nicht aus Verzweiflung, ſondern als gerechter Vollſtrecker der Strafe, welche er verdient hat, tödtet, den kann der Tadel eines tugendhaften Philoſophen oder toleranten Chriſten nicht treffen. Sicher iſt es, daß ich mich getödtet haben würde, wenn mir ein ſolches Unglück begegnet wäre.
Niedergebeugt von dem Kummer, in welchen mich die neue Entdeckung ſtürzte, und hoffend, diesmal wie die drei erſtenmale davon zu kommen, unterwarf ich mich einer Diät, welche mich in ſechs Wochen hergeſtellt haben würde, ohne daß Jemand meine Krankheit hätte argwöhnen können; aber ich war noch nicht am Ende meiner Leiden. Melulla hatte in meine Adern alle Gifte geſpritzt, welche die Quellen, denen das Leben entſtrömt, vergiften. Ich kannte einen alten, in dieſem Fache erfahrenen Doktor; ich zog ihn zu Rath, und er verſprach mir, mich binnen zwei Monaten vollkommen herzuſtellen; er hielt Wort. Im„Anfange des September war ich wieder ganz geſund, und um dieſe Zeit trat ich die Rückreiſe nach Venedig an.
Das Erſte, wozu ich mich entſchloß, nachdem ich mei⸗ nen grauſamen Zuſtand erkannt, war, daß ich Madame F. damit bekannt machte. Ich wollte nicht bis zu dem Au⸗ genblicke warten, wo eine abgezwungene Erklärung ſie ge⸗ nöthigt hätte, über eine Schwäche zu erröthen, noch wollte ich ſte den Betrachtungen über die ſchrecklichen Folgen, welche ſie ſich durch ihre Leidenſchaft hätte zuziehen können, ausſetzen. Ihre Zärtlichkeit war mir zu theuer, als daß


