Teil eines Werkes 
3. Bd. (1850)
Entstehung
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Die Grimacen des Scaramuz und das finſtere und betrübte Ausſehen Faſtidios bildeten ein Gemälde, über welches ich herzlich gelacht haben würde, wenn nicht die dringende und wirkliche Gefahr mich davon abgehalten hätte. Nur Marina, welche die Gefahr nicht erkannte, war heiter und ſpottete über den allgemeinen Schrecken.

Als ſich gegen Abend ein ſtarker Wind erhob, befahl ich, das Hintertheil des Schiffes gegen den Wind zu drehen und alle Segel aufzuſpannen, wenn auch der Wind ſtärker werden ſollte. Um den Corſaren zu entgehen, wollte ich durch den Meerbuſen fahren. Nachdem wir ſo die ganze Nacht gefahren, ließ ich gerade auf Corfu zuſteuern und die Ruder einlegen; wir waren in der Mitte des Buſens und die Seeleute gänzlich erſchöpft; aber ich fürchtete nichts mehr. Der Nordwind fing an zu wehen und in noch nicht einer Stunde wurde er ſo ſtark, daß wir auf eine ſchreck⸗ liche Weiſe mit Preßwind ſegelten. Die Felucke ſchien jeden Augenblick ſcheitern zu wollen. Schrecken war auf allen Geſtchtern zu leſen, aber es herrſchte die größte Stille, denn ich hatte dieſelbe bei Todesſtrafe anbefohlen. Trotz der ge⸗ fährlichen Lage, in welcher wir uns befanden, zwang mich doch das Schluchzen des kleinmüthigen Scaramuz zum La⸗ chen. Der Steuermann war ein entſchloſſener Mann, und da der Wind anhielt, ſo war vorauszuſehen, daß wir ohne Hinderniß ankommen würden. In der That bemerkten wir bei Tagesanbruch Corfu, und um neun Uhr landeten wir bei Mandrache. Man war allgemein erſtaunt, uns von die⸗ ſer Seite her ankommen zu ſehen.

Sobald meine Truppe gelandet war, beeilten ſich die Offiziere, die Schauſpielerinnen zu inſpiziren: dies war in der Ordnung; aber ſie fanden dieſelben wenig appetitlich, mit Ausnahme Marina's, welche die Mittheilung, daß ich mich nicht mit ihr beſchäftigen könne, ohne Klage hinnahm. Ich war ſicher, daß es ihr nicht an Liebhabern fehlen würde. Meine Schauſpielerinnen, welche im Hafen ſo häßlich ſchie⸗ nen, wurden indeß auf der Scene anders beurtheilt, und die Frau des Pantalon gefiel beſonders. Herr Duodo, Gou⸗ verneur eines Kriegsſchiffes, ſtattete ihr einen Beſuch ab, und als er Pantalon intolerant fand, traktirte er ihn mit