Teil eines Werkes 
3. Bd. (1850)
Entstehung
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mich augenlit ſchaffen, wenn

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welche gleichſam wie durch Eingebung erfolgte, bis zu dem Au⸗ genblicke, wo die reizende Griechin ſich bei Annäherung ihres Herrn meinen Armen entriß. Da Madame F., nichts ſagte, ſo leitete ich die Unterhaltung auf einen andern Gegenſtand;

denn wenn ich auch auf einem ausgezeichneten Fuß mit ihr ſteand, fo fühlte ich doch, daß ich langſam vorwärts gehen

müſſe. Da ſie jung war, ſo konnte ich mir denken, daß ſie nie eine unangemeſſene Verbindung eingegangen war, und was ich beabſichtigte, mußte ihr als eine höchſt unangemeſ⸗ ſene Verbindung erſcheinen..

Das Glück, welches mich beſtändig in den verzweifelt⸗ ſten Lagen begünſtigt hatte, behandelte mich auch diesmal nicht als Stiefmutter, ſondern verſchaffte mir an demſelben Tage eine Gunſt ganz beſonderer Art. Meine ſchöne Dame, welche ſich in den Finger geſtochen hatte, ſtieß einen lauten Schrei aus, und reichte mir den Finger hin, um ihr das Blut auszuſaugen. Man kann ſich leicht denken, ob ich mich beeilte, eine ſo ſchöne Hand zu ergrei⸗ fen, und wenn der Leſer verliebt iſt oder es je geweſen iſt, ſo wird er ſich leicht denken können, wie ich mich dieſes angenehmen Geſchäfts entledigte. Was iſt ein Kuß? Iſt es nicht der glühende Wunſch, einen Theil des Weſens, welches man liebt, einzuathmen? Und das Blut, was ich

aus dieſer reizenden Wunde ſchlürfte, was war es anders,

als ein Theil des Weſens, welches ich anbetete? Als ich geendet, dankte ſie mir freundlichſt und forderte mich auf,

das Blut, welches ich getrunken, auszuſpeien.

Hier iſt es, ſagte ich, die Hand aufs Herz legend und Gott weiß, welches Vergnügen es mir gemacht hat.

Sie haben mein Blut mit Vergnügen getrunken? Sind Sie denn Menſchenfreſſer?

Ich glaube nicht, Madame, aber ich würde Sie zu ent⸗

weihen gefürchtet haben, wenn ich einen Tropfen hätte verlo⸗

ren gehen laſſen.

Eines Abends in großer Geſellſchaft war von den Ver⸗ gnugungen des Karnavals die Rede und man beklagte ſich bitter, daß man das Theater entbehren müßte. Ich erbot klich, auf meine Koſten eine Truppe anzu⸗ man mir ſogleich alle Logen aßmiethen und