Teil eines Werkes 
10. Th. (1864) Memoiren
Entstehung
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ihn mit Aufmerkſamkeit und gab ihn mir dann mit vollkommener Gleichgültigkeit zurück.

Was denkſt Du davon, meine theure Freundin?

Ich denke, wir folgen dem Rath des Geſandten. Er ſagt, wir hätten nicht nöthig, uns zu beeilen, und das iſt Alles, was wir wollen. Lieben wir uns und denken wir nur daran. Dieſer Brief iſt ſehr ver⸗ ſtändig geſchrieben, allein ich kann mir nicht denken, daß wir einander gleichgültig werden würden, obgleich ich ſehr wohl weiß, daß die Sache zu ermöglichen iſt.

Gleichgültig? Nimmermehr! Du täuſcheſt Dich.

Nun wohl denn, Freunde, was nicht viel beſſer iſt, nachdem wir Liebende waren.

Aber die Freundſchaft, mein Herz, iſt niemals gleichgültig. Die Liebe kann freilich mit daran Theil nehmen; das wiſſen wir, weil es ſo ſeit Anfang der Welt geweſen iſt.

Alſo hat der Geſandte Recht. Die Reue kann unſere Seelen quälen und uns unglücklich machen, wenn die Liebe der allzu ruhigen Freundſchaft gewichen iſt.

Wenn Du das für möglich hältſt, anbetungs⸗ würdiges Weib, ſo wollen wir uns morgen heirathen und ſo die Vergehungen der menſchlichen Natur beſtrafen.

Ja, wir wollen uns heirathen, mein Freund, aber übereilen wir nichts; fürchte, daß Hymen die Verbannung Amors beſchleunigen würde und genießen wir unſeres Glückes, ſo wie es iſt.

Du biſt anbetungswürdig, mein Engel, und würdig des glücklichſten Looſes.

Ich wünſche mir kein größeres Glück, als das,

welches Du mir giebſt.

Wir legten uns nieder, indem wir unſer Geſpräch fortſetzten, und nach mehrfacher ernſter Berathung