Teil eines Werkes 
1. Th. (1826)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

ten. Der Paſcha iſt ein großer Luͤſtling, wiewohl

maͤßig im Eſſen und Trinken, aber wie alle vor⸗ nehmen Tuͤrken benutzt er unbeſchraͤnkt die Erlaub⸗ niß des Profeten, mehre Weiber zu nehmen. Wir ſahen eines Tages die Frauen ſeines Harems ausreiten. Es waren ihrer acht, aber alle ſo dicht verſchleiert und eingehuͤllt, daß es unmoͤglich war, ihre Zuͤge zu erkennen. Ein Reiſender, der aͤrztliche Kenntniſſe beſitzt, hat im Morgenlande Vorrechte vor allen Andern. Er hat Zutritt in je⸗ dem Serai, darf den ſchoͤnſten Weibern in's Geſicht ſehen, und ſich lange mit ihnen unterhalten. Es iſt merkwuͤrdig, wie neugierig die Morgenlaͤnderin⸗ nen ſind, einen Frankenarzt zu ſehen. Tritt er mit feierlich ernſtem Geſichte herein, ſo zeigen ſich ſelbſt die Haͤmlinge freundlich gegen ihn, und jede Frau ſtreckt ihre ſchoͤne Hand aus, gibt ſich ein ſchmach⸗ tendes Anſehen, laͤßt die Farbe ihrer Augen beſe⸗

hen, und ſpricht ohne Zuruͤckhaltung mit ihm.

Selbſt eine unbedeutende Kenntniß der Arzneikunſt iſt von großem Nutzen, wie wir ſpaͤterhin erfuhren, als wir eben dieſem Umſtande unſere Befreiung aus der Gefangenſchaft verdankten. Wenn ich mit Os⸗ min, dem ſchottiſchen Renegaten, der ſich fuͤr ei⸗ nen halben Arzt ausgab, durch die Straßen ging, ward er von mehren Weibern beſtuͤrmt, die ihm ihre oder ihrer Angehoͤrigen Leiden klagten.

Die Umgebungen Kahira's haben ſich ſeit dem