Teil eines Werkes 
1. Th. (1826)
Entstehung
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Anblick. Die Schoͤnheit der Tuͤrken hat etwas Be⸗ ſonderes; ihre Zuͤge haben eine gewiſſe Abrundung, durchaus ohne Ecken und Winkel. Die dicken her⸗ abhangenden Augendrauen uͤberſchatten ein volles, rundes und dunkles Auge; die Naſe iſt gerade, das Kinn rund, der Mund ſehr huͤbſch. Die Tuͤrken gehen ſehr aufrecht, und ihre kraͤftigen Glieder, ihr langſamer Gang und ihre fliegenden Gewaͤnder ge⸗ ben ihnen ein ſehr majeſtaͤtiſches Anſehen. Sie ſitzen oft waͤhrend der meiſten Stunden des Tages auf Baͤnken, die mit weichen Teppichen bedeckt ſind, unter freiem Himmel, und wenn man ſie zuweilen faſt unbeweglich, den Kopf und den langen weißen Bart auf die Bruſt ſenkend, in ein leichtes, roͤth⸗ liches oder weißes Gewand gekleidet, ſitzen ſeht, ſo denkt man an die roͤmiſchen Senatoren, in wek⸗ chen die, auf das Forum dringenden Barbaren an⸗ kaͤnglich Bildſaͤulen zu ſehen glaubten. Nichts aber geht uͤber ihre Traͤgheit. Sie haben eine Schnur von bunten Glaskuͤgelchen in der Hand, womit ſie waͤhrend des Rauchens aus bloßer Gedankenleerheit wie die Kinder ſpielen. 1

Bei der Ruhe und Regelmaͤßigkeit ihrer Lehe⸗ weiſe, und bei ihrer Freiheit von heftigen Leiden⸗ ſchaften iſt Gemuͤthskrankheit etwas ſehr ſeltenes un⸗ ter ihnen. Wir beſuchten einſt das Irrenhaus, das einzige in Konſtantinopel. Es hat einen geraͤumigen Hof mit einem Syringbrunnen und mit Baͤumen in

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