hätte, eine Verbindung abzubrechen, welche ſie wahnfinnig nannten, ſo würde ſie ihm eben ſo gut widerſtanden haben, wie den andern. 8
Ihr Beſchluß war unveränderlich.
Sie hatte blos verlangt, daß Charles verreiſen ſollte bis zu dem Tag, der für ihre Trauung feſtgeſetzt war, und dieſer hatte ſich auch ohne Einwendung dazu verſtanden.
Und nichts, weder Vernunft, weder Bitten noch Beweiſe, vermochte die feſte Kraft eines Willens zu brechen, deren blinder Heroismus beſchloſſen hatte, ſich für die Freundſchaft und zur Sühnung eines Fehlers zu opfern, von dem ſie ſich vergebens zu überreden ſuchte, daß er ſich blos in ihrer Fantaſie beſinde..
Ihre einzige Antwort auf alle Einwendungen lautete:
„Ich habe mich freiwillig erboten, und ich habe weder das Recht noch den Willen, diejenigen zu belei⸗ digen, die mein Verſprechen empfangen haben.“
Severin würde ſie inzwiſchen nicht— wenn ſie Zutritt erhalten hätte— mit Bitten in Verſuchung ge⸗ führt haben.
Er verſtand dieſe ſo poetiſch zärtlich und fein füh⸗ lende Seele, er verſtand ihren grenzenloſen Edelmuth, aber dieß verhinderte nicht, daß die Wunde, welche er
empfangen hatte, unheilbar war, und daß er in den
klaren Augenblicken zwiſchen den gelinderen Fieberanfällen und dem Delirium ſie ſtark tadelte, ja ſogar verdammte wegen der Schwachheit, welche ſie Stärke nannte.
Während des Deliriums erblickte er in ihr ein Opfer, das er mit anbetender Liebe verehrte, aber in den klaren Augenblicken litt er verdoppelt unter den peinigenden, ihn unaufhörlich verfolgenden Gedanken, daß ſie etwas in der Welt— und was? eine eingebil⸗ dete Gewiſſensqual— über ihn geſtellt habe.
Wie theuer, wie heilig hatte ſie ihm nicht ihr Vertrauen in allen Dingen gelobt, und gleichwohl erhielt


