Teil eines Werkes 
4.-6. Bändchen (1845)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

258

der ich den Reſt meiner Tage zuzubringen gedenke. Dieſen Entſchluß führte er auch in der Folge aus und es waren die vereinten Bitten ſeines jungen Schütz⸗ lings und ſeines wieder verſöhnten Freundes nicht im Stande, ihn zu bewegen, davon abzugehen. Ein jährlicher Beſuch von Seiten der erſteren, war ein Vertragspunkt, den er ſich vorbehielt, und als man dieſer Bedingung willig beitrat, reiste der Major nach ſeiner einſamen Heimath ab.

Das Zuſammentreffen in Mansfieldhouſe war, wie ſich bei dieſen ſeltſamen Fällen leicht denken läßt, gleichmäßig von peinlichen und freudigen Gefühlen begleitet. Scham vermiſchte ſich mit den Vergnügun⸗ gen des Vaters, ging aber wie eine Sommerwolke unter dem wohlthätigen Einfluß weiblichen Zartgefühls und herzlicher Zuneigung vorüber.

In Mrs. Wentworth fand Emily eine wahrhaft mütterliche Freundin und der Bund gegenſeitiger Liebe, gegenſeitigen Zutrauens war bald geſchloſſen. Das milde Temperament und die ungeheuchelte De⸗ muth dieſer wahrhaft erhabenen Frau erſchienen ſo lieblich in den Augen ihrer Adoptivtochter, daß ſie die in der Schule des Kummers bereits theilweiſe vollen⸗ dete Aufgabe vollſtändig durchzuführen und den Stolz abzulegen beſchloß, der den einzigen Mangel ihres Charakters bildete.

Monate glücklicher Ruhe verfloßen und nicht ferner von Gewiſſensbiſſen gefoltert, geſtand der Oberſt Wentworth, er wäre viel glücklicher, als er es verdiente.

Die verſchiedenen Reize Emily's fanden allgemein Bewunderungz aber jeder Antrag, ſo ehrenvoll er auch war, wurde zurückgewieſen, ſo daß ſich am Ende in Mrs. Wentworth der Verdacht regte, das Bild von Kapitän Graham erfülle ihr Herz immer noch. Das Geſtändniß dieſer Thatſache wurde mühſam ausgepreßt, aber es erfolgte zugleich die Erklärung, ſie würde nie

·