Teil eines Werkes 
4.-6. Bändchen (1845)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

256

vor ihr Gedächtniß, bis ſie am Ende von der mäch⸗ tigen Aufregung überwältigt, bewußtlos in ſeine Arme ſank. Als man auf beiden Seiten wieder etwas Faſ⸗ ſung gewonnen hatte, fand eine lange Unterredung ſtatt; Emilys beſcheidener, aber natürlicher Forderung wurden die Schwierigkeiten der Lage des Oberſten ent⸗ gegengehalten, was den edelmüthigen Entſchluß von ihrer Seite herbeiführte, eher jeden perſönlichen An⸗ ſpruch zu opfern, als ſeine häusliche Ruhe zu gefährden.

Major Hinderſon vermied ein Zuſammentreffen, welches beiden Parteien nur Qualen verurſacht haben müßte, aber ſeinen neueſten Dienſtleiſtungen wurde die Anerkennung nicht entzogen, obgleich man ſein Erbieten, für Emily zu ſorgen, auf eine artige Weiſe ablehnte. Dieſer Demüthigung hätte ſich ſein ehemaliger Freund nie unterwerfen können, und man traf daher Vorkeh⸗ rungen ihre Aufnahme in dem Hauſe einer verwitt⸗ weten Dame in der Nähe von Edinburgh zu verſchaffen.

Das Bewußtſein, edel gehandelt zu haben, hielt die Tochter unter dem Drucke einer getäuſchten Hoff⸗ nung aufrecht, während die Unruhe des Vaters durch eine ſehr entgegengeſetzte Ueberzeugung vermehrt wurde, wenn er ſich den Contraſt ſeiner Selbſtſüchtigkeit mit ihrem uneigennützigen Benehmen vor Augen ſtellte. Es lebte indeſſen eine Perſon, welche nicht nur fähig war dieſes zu würdigen, ſondern auch es nachzuahmen und Emilys kühnſte Hoffnungen waren durch den Empfang nachfolgenden Briefes, der ihre beabſichtigte Reiſe nach Schoitland aufhob, mehr als verwirklicht.

Meine theuere Emily!

Die Pflicht des Vergebens, obgleich ſie uns allen obliegt, wird mehr oder minder ſchwierig, je nach der beſonderen Stellung des beleidigten oder beleidigenden Theiles. In dem gegenwärtigen Falle haben beide, Sie und ich, Urſache zu klagen. Ihr Theil an dem Kummer bedarf keiner Wiederholung. Der meinige beſteht in einem Mangel an Vertrauen, da wo ich

ͤͤͤͤͤͤͤͤͤ

,