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Der Stellvertreter : ein humoristisches Familiengemälde ; fünf Theile / von Emilie Flygare-Carlén
Entstehung
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34 Taſten ruhen, und horchte mit geſpannter Aufmerkſamkeit. Alles war ſtille; ſie glaubte, es ſey nur eine Geburt ihrer aufgeregten Phantaſie geweſen, und fing ein neues Lied an, und deutlich hörte ſie jetzt, wie die tiefen, vollen Töne einer männlichen Stimme ihre eigenen begleiteten. Das konnte keine Einbildung ſeyn; aber woher kam jene Stimme? Bei ihrem Nachbar, dem Goldſchmied, war Niemand, den ſie im Verdacht einer ſolchen Galanterie haben konnte. Neugierig ging Auguſte an's Fenſter, aber beſtürzt trat ſie einen Schritt zurück, als ſie am Fenſter gegenüber eine hohe, männliche Geſtalt ſah, die vom klaren Mondſchein beleuchtet war. Der Fremde machte eine leichte Verbeugung und verſchwand.

Sie beeilte ſich, die Gardine herabzulaſſen, was ſie

oft vergaß, weil das Zimmer gegen den Hof ihres Nach⸗

bars lag, und ſie wußte, daß keine neugierigen Blicke aus dem Feſttagszimmer des Goldſchmieds nach ihr ſpäh⸗ ten. Verwundert über das, was ſie geſehen und gehört hatte, machte ſie ihr Piano wieder zu, ſchob ihren Seſſel an den Ofen, und begann ihre umirrenden Gedanken z1 ordnen. Der unbekannte Sänger, der Rittmeiſter Ster⸗ ner, ſo wie ſie ſich ihn vorſtellte, als er auf dem Poſt⸗ komptoir ihrer Mutter ſeine Hülfe anbot, und der Ham⸗ burger Freier ſchwebten vor ihrem Geiſte in jenem magi⸗ ſchen Schimmer, den die Phantaſie immer ihren Bildern leiht.Wenn es nur ſchon morgen wäre! ſeufzte ihre weibliche Neugierde.Ich darf ja dann das Ori⸗ ginal des Einen und das Portrait des Andern ſehen; aber wer in aller Welt mag der Gaſt des Goldſchmieds ſeyn?

Nach einem erfriſchenden Schlummer ſtand Auguſte am andern Morgen um neun Uhr bereit, ihre Wande⸗ rung über das Eis zu Pehr Nilsſon anzutreten. In einem hübſchen, wohl gefütterten Cirkaſſienmantel, ein hellrothes Seidenhütchen über die lichtbraunen, zierlich geordneten Haare und darüber einen großen ſchwarzen Schleier ge⸗ worfen, ſchlug ſie den Weg nach dem wohl gekehrten

Strome ein, Sie war ſchon auf dem Heimwege, und