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ofen, der früher mit Kalk übertüncht, doch jetzt zum Theil verfallen und verraucht war, und das⸗Ganze trug den Stempel tiefer Armuth. In einem altmodiſchen Lehnſeſſel, deſſen vergoldetes Laubwerk und verblichener Ueberzug von Goldbrokat ſeltſam gegen die wenigen Holzſtühle und den ungemalten Tiſch abſtachen, welche nebſt dem höchſt dürf⸗ tigen Bette das ganze Ameublement ausmachten, ſaß— für gegenwärtig der Poſtinſpektor Wilhelm von Spalden.
Sowohl jenes alte Familienſtück als deſſen Beſitzer ſchien durch irgend eine ungünſtige Laune des Schickſals in dieſes elende Loch geſchoben worden zu ſeyn. Auf der gefurchten Stirne des Poſtinſpektors las man die Ruhe der Ergebung; aber gleichwohl zeigte es ſich deutlich, daß, wäh⸗ rend ſeine Augen unverwandt auf die verglimmenden Kohlen ſtarrten, ſeine Gedanken nicht in der Gegenwart, ſondern in der Erinnerung an vergangene Tage verweilten, und je nachdem dieſe ſtillen Bilder heller oder düſterer erſchienen, hob ſich ſeine Geſtalt oder ſank ſie in ihre frühere Lage zurück. Er war ein langer, hagerer Mann; ſein finſterer, dunkel glühender Blick ſchoß bisweilen Blitze, die den Ge⸗ genſtand, den ſie trafen, verbrennen zu wollen ſchienen. Sein ganzes Aeußeres bewies, daß mehr die Sorgen als die Jahre ſeinen Körper gebeugt und den Stempel eines frühzeitigen Alters auf ſein bleiches Antlitz gedrückt hatten.
In der Ofenecke ſaß ſeine Frau, eine Dame von mitt⸗ lerem Alter, über deren ſanfte, milde Züge Jahre und Kümmerniſſe ſchonend gegangen waren und unverkennbare Spuren einer einſt ungewöhnlichen Schönheit dort zurück⸗ gelaſſen hatten. Sie ließ fleißig das von Kälte ſchwer ge⸗ wordene Spinnrad ſchnurren, und netzte zuweilen den Faden mit einer ſtillen Thräne, wenn ſie an die Tage des Schmer⸗ zes und der Entſagung dachte, welche noch vielleicht zu
durchkämpfen waren, und über die kein Stern der Hoff⸗
nung mehr aufgehen zu wollen ſchien. 1
Während des Stillſchweigens, das nach einem vor⸗ gusgegangenen Geſpräche eingetreten war, ſtand der Poſt⸗ inſpektor auf, flopfte mit einem ſolchen Nachdruck ſeine


