I. Wie beſchaſſen auch immer das Gefühl des Augenblicks in reiferen Jahren ſeyn mag, ſo iſt es doch ſelten mächtig genug, um ausſchließlich den Gedanken zu feſſeln; denn die Erinnerung ſchweift immer in den Tagen der Vergangenheit, und die Hoffnung in denen der Zukunft. Sparre.
An einem kalten und nebligten Februarmorgen eilte ein zerlumpter Junge, einer jener Handlanger, die man ge⸗ wöhnlich auf den Straßen trifft, ein langes, enges Seiten⸗ gäßchen in der Stadt L— hinauf.
Vor einem kleinen, unanſehnlichen Hauſe blieb er ſte⸗
hen, zog einen zuſammengelegten Papierſtreifen hervor, den er in den Fragmenten ſeiner Bruſttaſche verborgen hatte,
beſah ihn genau, und brummte bei ſich ſelbſt:„dafür be⸗ komme ich diesmal auch nichts von ihm; er kann wirklich weder Briefe noch ſonſt etwas bezahlen. Aber den Wiſch da muß er doch haben; ich wage nicht, etwas Anderes zu thun.“— Bei dieſen Worten trat er in das Haus ein, nahm den Weg durch einen langen, finſtern Gang, und ſtieg endlich eine ſchmale, ſchwankende Treppe hinauf, welche zum zweiten Stocke führte, und hart vor einer niedern Thüre, die mit einer Holzklinke verſehen war, aufhörte. Der Junge klopfte an, nnd eine tiefe, etwas raube Baßſtimme antwortete von innen mit dem gewöhnlichen: „Herein!“ Doch ehe wir hier weiter gehen, nehmen wir uns die Freiheit, den Leſer mit der armſeligen Wohnung und den Perſonen, welche dieſelbe bewohnen, bekannt zu machen. Es war eine enge, dunkle und unbehagliche Stube, deren düſteres Ausſehen durch die bis oben zugefrerenen Fenſter noch erhöht wurde. Einige im Erlöſchen begriffene Kohlen leuchteten aus einem von Ziegel gemauerten Kachel⸗


