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Stolz, die Zielſcheibe des Witzes geweſen zu ſein, mußte
indeſſen hald der Freude über den ſalvirten Adel weichen;
ehe er aber noch ſeine Gedanken in Ordnung zu bringen
vermochte, umſchlang ihn Amelie mit beiden Armen, hing
ſich feſt an ſeinen Hals und brach, halb weinend, halb lachend, in die Worte aus:„Er verdiente eigentlich doppelt geſtraft zu werden, denn er hat uns Beide ange⸗ führt, aber, liebſter Papa, wir wollen edelmüthig ſein! Sag, daß du ihm von Herzen verzeihſt, dann will ich daſſelbe thun. Denn, im Vertrauen geſagt, heiße ic doch lieber die gnädige Frau auf Röstorp, als Frau org.“
„Nun, um deinetwillen, Amelie,“— der Obriſtlieu⸗ tenant war froh, den zaͤrtlichen Vater ſpielen zu können, der ſich durch das Flehen ſeiner lieben Tochter erbitten läßt—„um deinetwillen mag es ſein, obgleich der heu⸗ tige Spaß und der mit dem Aufgebote einer ſo ſchlecht und grauſam war, wie der andre, ſo ſage ich doch noch ein Mal Amen, oder haſt du etwas dagegen, Sophie?“
Frau von Dreſſen, welche wie auf glühenden Koh⸗ len geſeſſen hatte, fühlte ſich bei dieſen Worten wie in den ſiebenten Himmel emporgehoben.„Ach, liebſter Dreſſen, ich denke, deine Kinder werden eben ſo gut, d ich, den Werth eines ſolchen Wortes zu ſchätzen wiſſen.“
„Ja, das thun wir Alle! Schande, wenn es anders wäre!“ rief der Aſſeſſor dazwiſchen;„unſer Amen geht von Herzen ins Glas über.“ Dabei erhob er ſich vom Stuhle.
„Friede und Verſohnung!“ ſagte Borgenſtierna. Der
Obriſtlieutenant nickte ein beifälliges Ja, und die Glaͤſer klangen zuſammen.
„Noch eine Geſundheit, meine Herrſchaften!“ nahm der Aſſeſſor das Wort.„Jeder fülle ſein Glas auf das Wohlergehen des jungen CEhepaars! Eben ſo herzlich,


