Teil eines Werkes 
11.-13. Bändchen (1849)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

2. Um zwölf Uhr in dem Zimmer der Hofräthin.

Nun, mein lieber Sohn, nachdem wir einen Cours durch die Vergangenheit und ihre Schattenſeiten gemacht haben, iſt es wohl ganz in der Ordnung, daß wir das Blatt umwenden und auch einige Worte uͤber die Zukunft reden. Da ich inzwiſchen wünſche, daß zwiſchen uns ſtets ein offenes Vertrauen herrſcht, ſo iſt es gut, wenn wir mit dem Anfange beginnen. Ich möchte Dir alſo gerne noch eine Frage vorlegen..

Frage, was Du willſt, geliebte Mutter, und ich werde Nichts verhehlen! antwortete Helmer, welcher vertraulich neben der Schwiegermutter im Sopha ſaß.

Alſo ohne Umſtände: man hat mir geſagt, Du ſpieleſt, ſpieleſt mit Leidenſchaft und unglücklich.

Als Junggeſell, lange vor der Zeit, da ich nach Dagby kam, hatte ich wirklich eine Neigung zum Spiel, und dieſe hätte ſehr leicht in Leidenſchaft ausarten können, wenn nicht die zärtlichſte der Muͤtter mich durch ihre ſanften Ermahnungen zurückgehalten hätte. Seit jener Zeit habe ich nie etwas Anderes geſpielt, als un⸗ bedeutende Geſellſchaftsſpiele, bis...

Helmer hielt einen Augenblick inne dieſer Gegen⸗ ſtand war äußerſt ſchmerzhaft für ihn.

Bis? weiter, mein Sohn!

Bis an einem Tage, vor dem ich erröthen werde, ſo lange ich lebe, ſo oft ich daran denke. Doch die Folgen dieſes Tages haben mich auch für immer gerettet.

Weißt Du das gewiß?

Urtheile ſelbſt, meine theure Mutter!

Und nun erzählte Helmer mit vollkommener Auf⸗ richtigkeit, und ohne nur den allergeringſten Verſuch zu machen, ſeine Schuld zu übertünchen, das ungluͤckliche Ereigniß auf dem Markte. Doch den Verdacht, welchen er ſeiner Frau verrathen hatte, rückſichtlich ſeines Mit⸗ ſpielers, verſchwieg er ſeiner Schwiegermutter dieſer Umſtand verminderte ja ſein eigenes Vergehen nicht.