ſo ihre Gefühle ausgedrückt hatte, wendete ſie ſich um und wollte gehen.
„Edith!“ flüſterte Ernſt faſt lautlos,„bleib... bleib noch einen Augenblick!“.. Seine Arme öffneten ſich.
Edith ſtürzte an ſein Herz. Ihre Thränen, ihre Gebete, ihre Seufzer vermiſchten ſich.
Das Inſiegel der Verſöhnung war von Beider Lip⸗ pen bekräftigt worden.
Aber in dieſer Verſöhnung lag nichts von dem Namenloſen, das die Liebe in ihrem höchſten Myſterium zweier Seelen ertheilt.
Sie fühlten auch Beide, daß dieſes Höchſte fehlte, und ſie hatten den Muth, es zu geſtehen.
„Dein Kuß, theurer Ernſt,“ ſagte Edith, welche uerſt redete,„hat nichts mehr von jenem flammenden Peruſr, das einſt auf Deinen Lippen wie in Deinem Herzen brannte, aber ich fühlte dennoch, daß Verzeihung darin lag.“
„Ja, meine Edith, und dieſe Verzeihung iſt nun auch in meinem Herzen— überlaſſe das Uebrige Gott, der Zukunft und unſerem Kinde. Und kommſt Du in Ver⸗ ſuchung, mir Vorwuürfe zu machen, daß ich die Entdeckung Deines heiligen Geheimniſſes nicht warm genug aufnahm, ſo bedenke: ehe ich mir noch das Glück der Gefühle eines Vaters dachte, hatte ich die Gefühle eines Gatten.“
„Ich will zufrieden und geduldig ſein, Ernſt! Habe ich nicht überdieß noch die Hoffnung, Deinen Blick einſt wieder ſtrahlen zu ſehen wie ehemals— und ſo wird er ſtrahlen, wenn Dein Herz wieder ſchlägt wie ehemals. Das kommt gewiß, ich muß dieſe Hoffnung beſitzen; denn das Leben ohne die wirkliche Liebe(ich rede nicht von der Liebe der Pflicht) iſt kein Leben. Sollte ich aber niemals, niemals mehr in Deinen Augen eine andere Zärtlichkeit leſen, als die ruhige alltägliche, die der Mann ſeiner Lebensgefährtin widmet...
„Was dann?“ fragte Ernſt forſchend.„Es iſt noth⸗ wendig, uns alle Möglichkeiten zu denken. Immer werde ich in Dir das Weib lieben, dem ich Treue bis in den
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