mer, wo wir heute vor einem Jahre unſern Hochzeit⸗ abend feierten;“ da ſank das junge Weib wie vom Blitz getroffen zu Boden. 1
Zu eben dieſer Stunde im vorigen Jahre war eben dieſer Saal illuminirt und mit Blumen geſchmückt ge⸗ weſen, ein feſtlicher Tiſch hatte die Neuvermählten em⸗ pfangen, die Freude auf ihren Lippen geſpielt, der mäch⸗ tige Rauſch der Glückſeligkeit ihre Seele durchbebt und das heilige Feuer der Liebe ihr Weſen mit einem Scheine übergoſſen, vor dem der über den Blumen ſchimmernde Lichtſchein erblich.
Was beleuchtet heute das einſame, flackernde Talglicht?
Sind wohl die Perſonen in dieſer Gruppe noch die⸗ ſelben, welche das entzückende Brautpaar ausmachten? Iſt dieſes bleiche, ermattete, in den Staub gebeugte Weib die liebliche, lächelnde, bezaubernde Braut? Iſt dieſer Mann, welcher düſter, ſtill und unbeweglich, wie das Schickſal ſelbſt, ſeinen kalten Blick auf das Weſen zu ſeinen Füßen heftet, iſt er der glückſelige, der ſcher⸗ zende, der anbetende Bräutigam?
Ja, es ſind dieſelben Perſonen, und nur ein Jahr, ein einziges, kurzes Jahr iſt nöthig geweſen, um dieſe Veränderung hervorzurufen.
Asmodeus blickt verſtohlen zum Fenſter herein: Er reibt ſich die Hände, er lächelt, er fingt:„es iſt vortreff⸗ lich gelungen.“
„Ernſt!“ begann Edith mit leiſer, gebrochener Stimme,„in drei Tagen habe ich es nicht gewagt, Dich anzureden!“
Und ohne ihren Blick zu erheben, umfaßte ſie ſeine Kniee. Auf ihrer geſenkten Stirn ſtand Tod und Ver⸗ zweiflung zu leſen.
„Wenn die Scham Deine Lippen drei Tage lang geſchloſſen hat,“ entgegnete er bitter,„ſo ſcheint es mir,
als ſollte dieſer Ort ſie nicht geöffnet haben. Doch,
ſteh auf— unſere Scenen find ausgeſpielt!“
Golt: w
„Rein, Ernſt! Du kannſt nicht härter ſein, als wagt es nicht der reuige Verbrecher, ihm zu nahen?


