Erſtes Capitel. Das Patriarchat.
In einer gewiſſen Gegend einer gewiſſen Landſchaft — gleich gut, wo— liegt ein kleines Herrengut. Dieſes Gut beſitzt ein kleines Thal. In dieſem Thale ſteht ein kleines Haus; und hinter dem Häuschen, das ein ganz unbeſchreibliches Ausſehen von patriarchaliſcher Ruhe hat, fließt ein kleiner Bach(denn Fluß kann er eben nicht genannt werden), welcher von den befiederten Be⸗ wohnern des Patriarchates während des Sommers, nicht allein als Badeplatz, ſondern auch als Wettſegelbahn bei ihren muntern Spielen gebraucht wird.
Um das Thal, das Haus und den Bach erhebt ſich eine junge Generation der poetiſchſten Tannen... wir wagen es, uns dieſes Ausdruckes zu bedienen; denn wenn es jemals in irgend einem Baume Peoeſie gibt, ſo iſt es ohne Zweifel in der Tanne. Wo zum Beiſpiel, wenn man nicht in die Tropenländer hinaus ſchwärmt und ſeine Einbildung in den Schlaf wiegt bei dem Säuſeln dieſer geheimnißvollen Cypreſſen, die etwas von dem Himmel, der Mythe und der Poeſie in ſich tra⸗ gen... wo— wenn wir nüchtern bei dem theuren Norden bleiben— finden wir wohl einen Baum mit einem ſchlankeren und anmuthigeren Wuchſe, als die junge Tanne? Welche Braut trägt wohl eine entzücken⸗ dere Krone auf ihren Locken, als die Tanne in ihren zarten, hellgrünen, in Roſa ſchillernden Knoſpen zeigt, wenn das Pfingſtfeſt ihr zum Hochzeitfeſte winkt? Wel⸗ ches Saitenſpiel übertrifft wohl das Säuſeln in ihren


