cität wieder an, Sie fühlen ſich leicht wie ein Vogel, der aus dem Käfig entſchlüpft iſt, Sie ſind erſtaunt, daß Sie eine Zeitlang dieſe Feſſeln haben tragen wollen, und Sie vergeſſen dieſer theuer bezahlten Laune Ihrer Phan⸗ taſie, wenn Sie ſich von den glücklichen und dankbaren Thränen Ihrer Mutter überſtrömt fühlen.“
„O, wie leide ich!“
In dieſem Ausruf offenbarte ſich Edith's ganze Un⸗ entſchloſſenheit. „Das kommt daher, weil Sie ſo ſenſible Nerven,
ein ſo außerordentliches Gefühl haben— das Leiden iſt
nicht im Herzen ſelbſt; denn, wenn Sie, wie Sie glau⸗ ben, Ihren Mann liebten... Ach, wie Sie ſich ſelbſt täuſchen können, arme Frau!“
Er hielt gleichſam aus Mitleid inne.
„Was wollen ſie denn eigentlich ſagen?“ rief ſie mit einem wilden Blicke.
„Ich will Sie ganz einfach fragen, ob es Ihnen wohl in den erſten Monaten Ihrer Ehe möglich geweſen wäre, Jemanden über eine Trennung von dem ver⸗ götterten Gegenſtande Ihrer Liebe reden zu hören, ohne daß Sie dieſen Rathgeber mit Verachtung und Stolz von ſich geſtoßen hätten, um ſogleich in die ſchützenden Arme Ihres Gatten zu eilen..
„Das iſt wahr!“ ſeufzte Edith mit halb erſtickter Stimme.
Haben Sie dagegen nicht auf die Worte gelauſcht, welche die Freundſchaft und die Vernunft redeten? Ha⸗ ben Sie nicht das gefährlichſte Geheimniß vor Ihrem Manne verborgen— ein Geheimniß, das Sie mit mir verhandelten, während Ihr Mann Ihnen immer mehr und mehr Fremdling wurde? Ich frage Sie, ob das möglich, ob das denkbar geweſen wäre, wenn Sie ge⸗ liebt hätten? Wo Liebe iſt, dort kann es keine Ver⸗ handlungen, keine Intereſſen, keine Intriguen gegen den geliebten Gegenſtand geben.“
„O Gott, o Gott!“
„Sehen Sie nun endlich ein, daß Ihr ſogenannte
bleib würd
um


