kein ruhigerer Zuſtand eintrat und ſie ihn auf die ver⸗
mußt! Hefte Deine Blicke auf mich, ich will es, und ſieh, wie Deine Anſchuldigungen das Blut in meinem ganzen Körper zu Eis verwandeln! Du haſt ein Gefühl von Deiner Grauſamkeit!“
Er hob mechaniſch ſeine Augen zu ihr empor, und weil ihre Worte und ihr Blick einen Theil des Nebels verſcheuchten, ſo bemerkte er die unausſprechlichen Qua⸗ len, welche ſich auf ihrem Antlitze abſpiegelten. Er begriff ſogar ihre Abſicht und ſtrengte ſeine ganze letzte, erlöſchende Kraft an, um ſich der Macht zu entreißen, die ihn zu ergreifen begann. Aber Edith täuſchte ſich: jetzt beruhte leider nichts mehr auf ſeinem Willen, das ſah man ſeinem Blicke an, der mit unſäglicher Seelen⸗ qual an dem ihrigen hing, bis das Bewußtſein gänzlich ſchwand und er als ein Raub ſeinen ſchreckenvollen Phantaſien anheimfiel.
So vergingen einige ſchwere Stunden.
Er phantaſirte unaufhörlich von ſeinem Plagegeiſt, deſſen Anweſenheit ſich endlich zu bekräftigen ſchien, wenn
man nämlich nach der Steifheit und den krampfhaften
Zuckungen urtheilen wollte, denen heftige Schauer vor⸗ angingen, welche ſchnell auf das Fieber folgten und daſſelbe unterbrachen. Während dieſer Zeit von mehre⸗ ren Minuten redete der Graf kein einziges Wort, aber ſein Geſicht war ſchrecklich blaß und entſtellt, und ein ſtarker kalter Schweiß bedeckte Stirn und Wangen. Die Augen ſtanden beinahe ſtill, aber ſie waren verwildert bis zur Unkenntlichkeit.
Was Cdith während dieſer Zeit litt, das ging nie mehr aus ihrer Erinnerung.
Selbſt Nilman, der ſonſt gegen ſie geſtählt war, hatte jetzt Mitleiden mit ihren Qualen, und dieſe ſpiegelten ſich nicht nur ab in den Thränen der Ver⸗ zweiflung, welche auf den unglücklichen Grafen Hermann fielen, ſondern beſonders in den hoffnungsloſen Blicken, mit denen ſie bisweilen Nilman's Augen ſuchte, um aus ihnen Troſt zu erhalten. Als bei dem Kranken endlich


