156 und ließ den Abgrund offen... weh, weh!— ich ſinke,
ich ſinke!
„O nein,“ rief Edith, welche neben ihm auf den Knieen lag,„ſie, die Du Deinen Engel nennſt, ſie hat Dich nicht verlaſſen!... Hörſt Du mich?— ich bin hier!“
„Ich höore und ſehe Dich,“ entgegnete er leiſe,„doch die Täuſchung, die himmliſche und liebliche, iſt ver⸗ ſchwunden... O, wie wagte ich es auch, ich Elender und Verworfener, zu glauben, daß ein Engel herab⸗ ſteigen würde!... Vergib mir,“ fuhr er fort mit einem unſäglich klagenden Blick auf ſeine Verlobte,„nicht die Geſtalt eines Engels konnte mich retten, ſondern die Reinheit, der Edelmuth, die Seelengröße des Weſens, das dem armen Kranken gelobte, ſein Leben zu theilen.“
„Hermann, Du vernichteſt, Du zerreißeſt meine Seele!“
„Wie?“ rief er mit einer plötzlichen Veränderung, welche die Rückkehr der Fieberphantaſien ankündigte, „Du wagſt es davon zu reden, Du, die Du ohne Er⸗ barmen meine Seele zerriſſen haſt? Sieh, dieſe iſt jetzt in Atome aufgelöſt und hat nichts mehr, das ſie zuſammen⸗ hält. Und das iſt Dein Werk, ganz Dein Werk, Du guter Engel, der ſich bald überreden ließ, ein Bündniß zu ſchließen mit meinem zweiten Ich, dem Teufel, deſſen Feſſeln die Kraft meines Willens ſchon gebrochen hatte, die ich aber jetzt unter Todespein wieder annehmen muß, denn gegen Zwei vermag ich nichts... Ach, falſcher, falſcher Engel, der Du mit Deiner Sirenenzunge mir meine Seele ſtahlſt, was haſt Du daraus gemacht?... Hörſt Dul ich frage, ich rufe!... Ha, Du ſchweigſt, feiges, liebloſes Weib! Meinſt Du, ich verſtehe nicht, daß Du ſie an ihn verkauft haſt?... Und dazu warſt Du im Stande— Du? Und doch hatteſt Du an mei⸗ ner Bruſt geruht!“ 4
„Halt ein, Hermann! rufe Deine Vernunft zurück, Du biſt nicht wahnſinnig; doch Du gibſt einer Erſchlaf⸗ fung nach, die Du befegen kannſt, die Du beſiegen
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