Teil eines Werkes 
4.-6. Bändchen (1849)
Entstehung
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Erſtes Capitel. Die Mutter.

Ernſt Helmer war Tag und Nacht geeilt, um das Ziel zu erreichen, welches ſeinem Leben allein einigen 1 Werth geben zu können ſchien: das Wiederſehen ſeiner Mutter. Aber ſo oft die Hoffnung ihm auch die tröſtende * Ueberzeugung zugeflüſtert hatte, daß Gott ihm geſtatten möchte, jenes Glückes zu genießen, ſo wohnte dennoch 8 in ſeiner Bruſt nichts Anveres mehr, als Mißmuth und Angſt, als er am Morgen des vierten Tages zwiſchen vier und fünf Uhr in die Stadt fuhr, in welche er vor ſechs Monaten ſeine Mutter gebracht hatte, und der Mißmuth und die Angſt hatten den höchſten Gipfel er⸗ 1 reicht, als er vor der Thüre des Hauſes hielt, in welchem 3 ſie wohnte.. Der Schein, welchen er durch dasHerz in den Fenſterladen erblickte, machte gleichwohl eine, wenn auch 1 nur ſchwache Hoffnung rege; und während er ſich be⸗ ſann, ob er es zu dieſer Zeit wohl wagen dürfte anzu⸗ klopfen, wurde die Hausthür leiſe geöffnet, und es zeigte ſich ein junges Dienſtmädchen, erzogen auf dem Gute, das Helmer einmal ſein genannt hatte, mit Licht in der Hand. 4 dO Du mein großer und lebendiger Gott! welch Freude, daß Sie hier ſind, Herr Patron! Ich verſtand das leich ſo wie ich hörte, daß draußen ein Wagen ielt. 4 4