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„O, aus bloßer Sympathie— es iſt ja ſo viele Sympathie zwiſchen uns!“
„Davon habe ich nichts bemerkt!“ entgegnete Hel⸗ mer, der bei dieſem kleinen Kriege wieder zu ſich ſelbſt zu kommen anfing.„Ueberdieß, mein Fräulein, be⸗ klagten Sie ſich über die Hitze.“
„That ich das? Das habe ich ſchon vergeſſen— man iſt nicht im Stande, an Alles zu denken.“
„Aber, mein Fräulein, ſollten Sie wohl nicht an Ihren eleganten Haarputz denken? Ich verſichere, daß dieſer bedeutend leidet, wenn Sie den Kopf ſo gegen die Wagenkiſſen werfen!“
„Herr Helmer! Haben Sie den Jean Paul geleſen? haben Sie einen Cholerakranken geſehen? haben Sie Mhabtme Taglioni bewundert? ſind Sie zu Medevi*)
eweſen?“ 8 Weiter aber kam Edith nicht mit ihren kindiſchen Einfällen, denn Helmer's erſtaunter Blick hinderte ſie.
„Nun ja!“ rief ſie mit erzwungener Lache aus: „„friert Sie nicht, Fräulein? beklagten Sie ſich nicht über die Hitze? ſollten Sie nicht an Ihren eleganten Haarputz denken?... Sehen Sie denn nicht, daß ich weder friere, noch ſchwitze, ſondern daß ich ganz einfach hu Begrif bin, vor Müdigkeit und Schläfrigkeit zu
erben?“
Ohne ein Wort zu erwiedern, gab Helmer den Pferden einen Klatſch, der ſie in ſchnellern Trab ver⸗ ſetzte, und dieſer Trab hörte erſt auf, da der Wagen vor dem Hauptgebäude von Ramswik, dem Gute des Ba⸗ rons G., ſtill hielt. 4
Nach einer nothwendigen Ueberſicht der wirklich etwas übel mitgenommenen Toilette trat Edith wieder ruhig
*) Ein Badeort in Oeſtergöthland. b Anmerk, des Ueberſ.


