Teil eines Werkes 
4.-letzer Theil (1843)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

248

freundſchaftlicher Austauſch der Gedanken bewirkt hatte. Lindorm flog mit unerkünſtelter Freude ſeiner jungen Gattin entgegen, ſchloß ſie an ſeine Bruſt, und nahm ſeinen Sohn auf den Arm, ſpielte mit ihm, und wies alle Zeichen eines ruhigen und frohen Herzens. Korrnelli war Zeuge davon, und der Seufzer, der ſich bei ihm hervorſchleichen wollte, ward von ſeinen beſſern Gefühlen unterdrückt. Er wollte ja nicht miß⸗ günſtig ſein; er wollte nur das Anſchauen genießen. Heiter ſetzte man ſich um den Theetiſch. Lindorm ſprach freundlich:„Wir lieben eine angenehme Lectüre, meine Georgine und ich; im Fall Du unſern Geſchmack theilſt, Bruder Kornelli, ſo ſollſt Du unſer Vorleſer werden.“

„Da bin ich gerne dabei,“ verſicherte der Kapitän, und während der Baron in das Kabinet ging, um das Buch zu holen, erzählte Kornelli von ihrem Beſuche im Pfarrhauſe, und wie viel Freude er an dem gebildeten und ſtillen Umgang des Pfarrers Werner gefunden habe, der ein Mann Gottes nach ſeinem Sinne ſei, da er ſich weder pedantiſch noch prahleriſch, ſondern einfach und wahr gebe. Ueberdies ſei er ein angenehmer und hei⸗ terer Wirth, ſobald er das Studirzimmer verlaſſen und an dem reichlich verſehenen Tiſche Platz genommen ge⸗ habt habe.

Mit wahrer Zufriedenheit bemerkte Lindorm, als er zurückkam, daß nicht die geringſte Spur von Verlegenheit ſich auf der einen oder andern Seite zeigte. Nach einer kurz vorausgeſchickten Schilderung von dem erſten Theile des Buches fing der Baron an, vorzuleſen. Georgine ſtrickte an einem Röckchen für ihren Sohn, und Kornelli drehte an ſeinem Schnurrbart; Alles war häuslich und angenehm, und die kleine Geſellſchaft trennte ſich ſpät, ſehr zufrieden mit ſich ſelbſt und den Andern.

So verging die Woche in ſtiller, angenehmer Ruhe unter den einfachen und frohen Genüſſen eines häuslichen und friedevollen Lebens. Lindorm ward ruhiger, Kornelli heimiſcher und liebenswürdiger. Er wurde ein angeneh⸗

—-—