ſanft, wie geduldig, mit welcher unſäglichen Güte hatte ſie nicht Alles ertragen;„und nun iſt ſie dahin, und Du biſt es, der ſie gemordet hat,“ tönte die klagende Stimme unaufhörlich in ſeinem Innern.
Mit großen Schritten wandelte er unter dieſen Be⸗ trachtungen auf und nieder, ſchlug wild mit den Armen umher und heftete den Blick mit einem ſchrecklichen Ausdruck auf jeden, der ſich ihm während dieſer dunklen Stunden zu nahen wagte. Wenn dann der innere Sturm ſich etwas beſchwichtigt hatte und eine Art ſtum⸗ pfer Ruhe wieder in ſeiner Seele eingekehrt war, pflegte er oft zu murmeln:„Torſten, Torſten, Deine eiskalten, beißenden Briefe waren es, die mich ſchlimmer mach⸗ ten, als ich war. Ohne ſie wäre es nie ſo weit gekom⸗ men; aber war es nicht eine Schwachheit von mir, in ihnen eine Rechtfertigung meiner Handlungsweiſe ſuchen zu wollen? Verdammte Schwachheit, verdammter ade⸗ liger Hochmuth, trübe, unreine Quelle, aus der keine Strombahn ausgehen kann„die ſich nicht in derſelben eirkelförmigen Richtung bewegt, wie ſie das ewige Ei⸗ nerlei abgeſteckt hat!— Hm, ich glaube, Torſten hätte lieber ſein Leben aufgeopfert, als ſich mit einem bür⸗ gerlichen Mädchen verbunden, im Falle auch jenes bloß dadurch hätte gerettet werden können. Nun, jetzt ſind wir beide verſoͤhnt, da wir uns wieder in derſelben Strombahn befinden, und beide haben wir unſeres Her⸗ zens Freiheiten und Rechte aufgeopfert, um die elenden Vorzüge zu beſitzen, die der Reichthum verſchafft. Doch für ihn war dieß keine Aufopferung. Sein Gemüth war immer für das edelſte und mächtigſte aller Gefühle verſchloſſen. Wohl ihm! Hat er auch viel von dem Schönſten verloren, was das Leben zu bieten hat, ſo iſt er auch von manchem qualvollen Augenblicke befreit geblieben, der ſeine Stacheln in mein Herz drückte.“
Die Perſon, von der Lindorm ſprach, war ein jün⸗ gerer Bruder, außer ihm und ſeinem Sohne der einzig übrige männliche Abkömmling vom alten Stamm der
lungsweiſe, als deren Folgen entgelten mußte. Wie


