ö ͤ— Gn
Sie mir das Vergnügen, Herr Kapitän, und nehmen Sie Ihr Mittagmahl bei uns ein, ſo wird während
der Zeit meine Schaluppe zu Ihrer Ueberfahrt in Stand
geſetzt werden.“ Werdenberg zauderte; dieſer Zeitaufſchub ſchien ihm ein Diebſtahl an den alten Eltern zu ſeyn; doch der Baron war dringend und der Kapitaͤn gab nach. Sie gingen zuſammen nach Lindorm's Wohnung. Im Vor⸗ zimmer, in das er ſeinen Gaſt einführte, zeigte ſich Niemand als Alida, die vor einer Reihe Seſſel kniete, welche ſie nach dem Befehl ihrer Gebieterin mit einem Kattun⸗Ueberzug bekleidete, um den himmelblauen Sei⸗ denzeug zu ſchonen. Als die Doppelthüren mit mehr als gewöhnlicher Ceremonie geöffnet wurden, wendete ſich ihr liebliches Köpfchen ein wenig, und ſie ſtand ſchnell, tief erröthend und verlegen, auf, als ihr Blick den eines Frem⸗ den traf. Kaum hörte ſie ein Wort von der Vorſtellung, und verſchwand mit einer ſtummen Verneigung, um die Gnädige von der Ankunft des Gaſtes zu unterrichten. Bei Tiſche ſaß ſie Werdenberg gegenüber, und ob⸗ wohl ſie während des ganzen Mittageſſens nicht von ihrem Teller aufſah, wußte ſie doch, daß des Kapitäns Blick faſt unverwandt auf ſie geheftet war. Die holde Alida erwärmte vom erſten Augenblicke an das für ſolche Gefühle bis jetzt kalt gebliebene Herz des jungen Seemanns. Und obſchon er eigentlich nicht mehr ge⸗ ſehen hatte, als die niedergeſchlagenen Augendeckel mit ihren langen dunklen Wimpern, ſo konnte er doch wäh⸗ rend der Ueberfahrt zur väterlichen Heimath an nichts Anderes denken, als an einen offenen Blick aus dieſen Augen, deren Himmel gewiß alles Edle und Schöne in ſich faſſen mußte, wovon er bis jetzt blos geträumt hatte. Dann dachte er ſehr. eifrig darüber nach, ob es wohl eine Gewohnheit von ihr ſey, ihre Blicke immer niederzuſchlagen, oder ob es heute blos zufällig ſo gewe⸗ ſen ſey. In dieſem Falle, was mochte die Urſache davon ſeyn? Hatte ſie vielleicht bemerkt, daß er, was freilich ſehr unpaſſend war, ſein Auge nicht von ihr wenden


