„Iſt es möglich— bin ich wirklich verliebt? Dieſe Leere, dieſe Sehnſucht, dieſe Unruhe, welche nie aufhört... Verliebt?— Was iſt denn eigentlich die Liebe? Macht ſie uns Schmerz oder Freude? Ich weiß es nicht, denn was ich empfinde, das läßt ſich in keine beſtimmte Ordnung bringen. An dem einen Tage iſt meine Seele ſo voller Leben und Kraft, daß ich mit den Vögeln durch die Luft fliegen könnte; an dem andern geht eine Finſterniß über meinen Himmel: ich bin nie⸗ dergeſchlagen, milzſüchtig, ungeduldig und voll wilder, beunruhigender Ahnungen von einem Unglücke, das gar nicht vorhanden ſein kann; an einem dritten Tage da⸗ gegen ſchleicht ſich eine ſchwärmende Wehmuth, angeneh⸗ mer, als die Freude ſelbſt, in mein Herz: ich baue Luft⸗ ſchlöſſer, und in ihnen wohne ich mit ihr, der Wunder⸗ ſchönen, und die Seraphim dort oben können nicht glücklicher ſein, als wir.— Welche Sprache ohne Worte, welche Blicke, welche. Nein, nun werde ich ganz ver⸗ rückt! Kenne ich wohl dieſes junge Mädchen? weiß ich, ob ihr Charakter ihrer Schönheit, ihrer kindlichen Anmuth entſpricht? Weiß ich, ob ſie die rechte iſt, ob mein Gefühl etwas mehr iſt, als ein flüchtiges Aufflammen? Weiß ich, ob ſie, ein Kind, ſchon die Bedeutſamkeit einer Verbindung für das ganze Leben verſteht?... Ach, ich weiß weiter gar nichts, als nur, daß Alles wohl bedacht u werden verdient!... Und Mörk, der nichtswürdige, etrügeriſche Mann, mein Schwiegervater!... Nein, ihr ſchönen Blumen; nein, ihr gefährlichen Fürſprecher! ich muß euch einſchließen— ihr ſollt mich nicht länger in Verſuchung führen!“
Und die Blumen wurden in das innerſte, verborgenſte Fach des Schreibpultes gelegt; doch das half Albin ſehr wenig, denn der Verſucher blieb in ſeinem eigenen Herzen, und das Kreuz, an welches das junge Mädchen ſich lehnte, war das Letzte von Allem, was er ſah, als er entſchlief, das Erſte, das ihm im Traume begegnete.


