Du biſt gezwungen, Deiner Verbindung zu entſagen, Hildur wird vielleicht die ihrige brechen, weil ihr Bräu⸗ tigam zu ſchwach iſt, ein Gefühl zu überwinden, das eines Bräutigams gänzlich unwürdig iſt— Du weißt gewiß recht gut, welche er in ſeinem Herzen vorzieht—; dann der arme Will mit ſeiner Liebe zu Roſa: einer Liebe, von deren Daſein ich ſchwere Folgen fürchte.... O es iſt wie ich ſage: ſogar die Geduld eines Hiob kann ein Ende nehmen!“
„Doch, liebe Mutter, Deine Geduld wird ſtandhaft bleiben— das Herz einer ſolchen Gattin täuſcht nie— und trotz des inſtinktartigen Widerwillens, den ich nicht überwinden kann gegen Denjenigen, welchen ich ehren ſollte, habe ich dennoch ein unausſprechliches Mitleiden mit ihm; während der beiden letzten Tage hat er ſchreck⸗ lich ausgeſehen!“
„Ja, zwiſchen ihm und dem Capitain Stangerling muß Etwas vorgefallen ſein, ich weiß nicht was— Arne war wild empört, als er vom Rathhauſe kam.“
„Vielleicht hat Vater dem Capitain einen Schaden⸗ keſath anneboien, den dieſer natürlicher Weiſe ausgeſchla⸗ gen hat?“ 4
„Vermuthlich iſt es ſo!“ ſagte Amelie— mit einem Seufzer in ihrem Herzen dachte ſie jedoch:„Gott gebe nur, daß er ihm nichts Anderes angeboten hat!“ Die unglückliche Frau kannte ihren Gatten und wußte, daß er ſich ſogar unter dem Aeußern eines ehrlichen Mannes ſehr Vieles erlauben konnte.
„Jetzt fühlt ſich mein Herz erleichtert!“ ſagte Thekla, indem ſie aufſtand—„wie ſchön und beruhigend iſt es doch, wenn man ſich mit ſeiner natürlichſten Freundin vertrauensvoll ausſpricht!... Ach, gute Mutter, dieſe Stunde wird für keine von uns fruchtlos bleiben: jetzt können ſich unſere Gedanken in dem kleinſten Blicke, in unſeren Gebeten, ja wenn wir weiter nichts vermögen, in unſeren Thränen begegnen!“
Stumm, aber mit beredter Bewegung, preßte die Mutter ihre edle Tochter an ihr Herz.


