Teil eines Werkes 
2. Theil (1849)
Entstehung
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Zwar beſitzt Gottland nicht die Romantik der ſpiegelblanken Landſeen und der für den Manufactur⸗ ſleiß ſo geſuchten Waſſerfälle; doch hat es ſeinen Erſatz in Hainen von ſchattigen Ulmen,hangenden Birken undweinenden Weiden, unter denen ein mächtiger Kalkſteinblock, der ſpitzige Thurm einer Kirche oder eine fleißig umſchwenkende Windmühle neben einem weißglän⸗ zenden Wohnhauſe aus der Ebene, mit dem endloſen Meere zum Hintergrunde, freundlich hervorblickt. Und wenn dieſes Meer ſeine gewaltigen Wogen gegen die ſcherenloſe weſtliche Küſte wälzt, ſo trifft es dort auf ein ſtarkes Bollwerk in den beinahe ſenkrechten Stein⸗ wänden, welche von tiefen Grotten unterbrochen und an vielen Orten in ſonderbare Geſtalten von menſch⸗ lichen Figuren, Thürmen und regelmäßigen, oft zwölf bis zwanzig Fuß hohen Säulen geformt ſind. Biswei⸗ len ſieht man eine neugierige Ziege oder ein verirrtes Schaf an den hervorſpringenden Knäufen umherklettern und ängſtlich Schutz ſuchen, wenn der allzu ſehr zür⸗ nende Geiſt des Oceans ſchnell das ganze Gemälde in einen tobenden Schaum hüllt, welcher ſich mit dem Rauche der weiterhin im Innern des Landes brennenden Kalköofen vereinigt und in demſelben verſchwindet.

An genannter Küſte, kaum eine Meile ſüdlich von Wisby und dicht bei dem Högklint, deſſen ſcharf abge⸗ hauene Spitze den einen Schlußpunkt des beinahe kreis⸗ förmigen Meerbuſens bildet, welcher die von hier deut⸗ lich ſichtbaren Mauern und Thürme der alten Hanſe⸗ ſtadt abſpiegelt liegt dicht am Meeresgeſtade eine

kleine pittoreske Bergpartie, von dem Volkedie

Höhle des Räubers Lilja genannt. Ueber einen wil⸗ den und ungebahnten Waldboden führt der Weg hie⸗ her am bequemſten längs dem Strande, welcher hier, wie faſt überall auf der Inſel, in verſchiedenen Abſätzen theils mit dem an das Land getriebenen, von der Sonne ſchwarz gebrannten Seetang, und theils mit größeren Kalkſcheiben umbordet iſt, die ſo abgewaſchen und glän⸗ zend weiß ſind, daß der Wanderer in Verſuchung geräth,

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