„Doch ein ſo tüchtiger Kerl, wie Ihr, Vater Hal⸗ war, kann wohl auch in einer Septembernacht nicht ſehr viel von der Kälte leiden?“ entgegnete Rasmus und wagte ein recht zweideutiges Lächeln.
„Ja, ſeht Ihr, Jungen,“ erklärte Halwar gravi⸗ tätiſch,„was mein Blut dumpf macht, das ſind meine Wunden aus alten Bataillen. Mich friert faſt immer ſo lange ein wenig, bis ich ſo viel eingeſackt habe, daß das Blut in gehörige Wärme kommt.“
„Aber um bis dahin zu kommen, meine ich, müßt Ihr tüchtig heizen!“ ſiel der zweite Matroſe Tönne ein, und bemühte ſich eine recht ernſthafte Miene aufzuſetzen.
„Ja, ganz richtig! Wenn ich des Morgens den Erſten, ja ſogar noch den Zweiten nehme, ſo befinde ich mich immer ſchlecht, und fühle ſo ſtarke Uebelkeiten, daß ich ganz blaß werde; habe ich aber erſt den Dritten bekommen, ſo wird's ſchon etwas beſſer, und bei dem Vierten bin ich wie eine Plötze.“
„Aber, zum Henker!“ ſiel Rasmus ein,„warum fangt Ihr da nicht lieber mit dem Dritten an?— ſo klug ſolltet Ihr doch wohl ſein!“
„Der Tauſend, daran habe ich noch nie gedacht!“ Halwar wurde ſehr ernſthaft und ſchien den vernünftigen Rath ſorgfältig zu bedenken; plötzlich aber veränderte er ſeine Miene und rief aus:„Du Schelm, Du Spott⸗ vogel! ſchämſt Du Dich nicht, einen Mann zum Beſten zu haben, der Dein Vater ſein könnte?“ Inzwiſchen konnte man es den von dem Lichte im Nachthäuschen bleich erleuchteten Geſichtszügen Halwar's anſehen, daß ihm der Scherz gar nicht übel gefiel.
„Wir verkaufen aber unſer Erſtgeburtsrecht für kein Linſengericht!“ erklärte Tönne.„Hoͤrt, Vater Halwar! wenn Ihr unſern Rum nehmt, ſo bekommt Ihr ihn nicht umſonſt.“
„Da iſt Raiſon drin,“ entſchied Rasmus,„und ich meines Theils fordere dafür eine halbe Rolle von dem Tabak, den Ihr in Eurer Kiſte links in der Bei⸗
lade habt!“
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