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53 Stadt zurückkehrte. Er konnte es ſich nicht verſagen, den Weg über den Kornhafen zu nehmen, er wollte an der Wohnung der Baronin Lindholdt vorüber— um vielleicht einen Schatten von Mathildens Geſtalt zu er⸗ haſchen.
Es war noch nicht völlig dunkel; ein Fenſter ſtand offen, aber in dieſem Fenſter erſchien nicht das holde Bild, welches ihm auch in der ebenvergangenen, ſchwar⸗ zen Stunde vorgeleuchtet hatte,— ſondern die Geſtalt eines Mannes, deſſen Anblick dem Notarius faſt einen lauten Ausbruch des Erſtaunens erpreßt hätte— er war es ſelbſt. Hätte ihm nicht eine plötzliche Ahnung geſagt, wer es ſeyn könne, hätte er nicht die ganze Figur in Lebensgröße und ſich daneben in Miniatur erblickt— ohne Zweifel würde er ihn für ſeinen Doppelgänger ge⸗ halten haben. 1
Nun zweifelte er aber nicht im geringſten, daß er den Grafen Ernſt L— von Dagſtaholm vor ſich habe; und da der hohe Mann den unbedeutenden Fußgänger nicht zu bemerken ſchien, ſo blieb Wetterquiſt, den Him⸗ mel und die Hölle in der Bruſt, in ſeinem Anſchauen verloren ſtehen. Jeder einzelne Zug des noch ſchönen, vornehmen Geſichtes des Mannes prägte ſich tief in ſein Gedächtniß. Ach, wie klopfte ſein Herz, welche Qual, welche verſchiedene Gefühle beherrſchten ſeine Bruſt, wie wechſelte Feuer und Eis in ſeinen Adern!
In dem Augenblick ging Frau von Lindfeldt am
Fenſter vorüber.„Sieh' da, Notarius Wetterquiſt!“
ſagte ſie halblaut.„Er ftrirt Dich ſcharf.“ Dabei klopfte die Baronin ihren gräflichen Schwager leicht auf die Schulter. Er ſah ebenfalls hinab; ein kalter, eiſiger gleichgültiger Blick traf den Fremdling— den Sohn. Das Blut trat Wetterquiſt von den Wangen zu⸗ rück; nur Einen Blick ſandte er noch zum Fenſter hin⸗ auf, dann verſchwand er. Die Nacht brachte er nicht auf ſeinem Zimmer zu. „Sonderbar!“ rief die Baronin aus;„was der


