Sorgen leben muß: im Gegentheil ich bin nie ohne, und lebe ſtets nur für baares Geld.“ 8
„Aber die Zinſen für den Kammerer vergiſſeſt Du doch hoffentlich nicht?“ ermahnte ihn Roſell.
„Sey ohne Sorgen: ich werde ihn dieſer Tage bezahlen! Ich möchte Dich um keinen Preis in Miß⸗ kredit bringen, da Dein Name ein ſo ſicherer Bürge bei dem alten Laßman, wie auch noch bei andern Wu⸗ cherern iſt.)
„Gehorſamer Diener! Danke für das Kompliment und gebe es zurück; aber ich bitte mir aus, meinen ehrlichen Kammerer keinen Wucherer zu nennen— gehe ein Mal zu einem Solchen, da wirſt Du ſogleich den Unterſchied finden! Jetzt muß ich aber fort, um dem Papa Laßman zu gratuliren und mich zur Hochzeit ein⸗ zuladen, und ſollteſt Du allenfalls durch Fräulein Lind⸗ feldts„Verbindungen“ in eine etwas ſchätzbarere Lage kommen als zur Zeit, und aus Dankbarkeit dem Fräu⸗ lein Deine ſchaͤtzbare Perſon zu Füßen legen, ſo rechne ich darauf, daß Du mich gleichfalls bey der Hochzeit nicht vergiſſeſt! Ich mache gern den Marſchall, um mir zu meinen übrigen Delorationen, noch den Hoſen⸗ oder vielt Strumpfbandorden zu verdiènen. Was meinſt Du zu Liſa Normans Strumpfband— he?“ Bei dieſen Worten küßte Roſell ſeine Fingerſpitzen, warf den aus⸗ gebrannten Cigarrenſtumpf weg und ſpazierte die Strand⸗ treppe hinauf.
Der Notar ging den entgegengeſetzten Weg und begab ſich nach Hauſe.
Wetterquiſt wohnte immer noch in ſeinem Dach⸗ kämmerchen, allein ſeine Phantaſie nahm jetzt einen ſo hohen Flug, daß er ſich nicht viel darum kümmerte, wo oder wie er in ſeiner gegenwärtigen Zeit der Er⸗ niedrigung lebte. Einſt müßte ja die Zeit kommen, wo er den Gipfel erklommen haben würde, wo er das Ziel ſeines treuen Strebens erreichte, wo ihm der Lohn werden müßte für den ſiegreichen Kampf mit den Qualen
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